ЮФУ     

Гостевая книга

 

С.Е. Колоскова
УЧЕБНОЕ ПОСОБИЕ
"НЕМЕЦКИЙ ЯЗЫК ДЛЯ МАГИСТРАНТОВ И АСПИРАНТОВ УНИВЕРСИТЕТОВ"

Ausländer in Deutschland - Vom Gastarbeiter zum Mitbürger

Ростов-на-Дону
2007


  1. Предисловие
  2. LEKTION 1. Zuwanderung in Deutschland
  3. LEKTION 2. "Gastarbeiter" für die expandierende Wirtschaft
  4. LEKTION 3. "Man hat Arbeitskräfte gerufen, und es kommen Menschen"
  5. LEKTION 4. Umgang im Alltag schafft Normalität
  6. LEKTION 5. Bildung als Schlüssel zum Erfolg
  7. LEKTION 6. Beruflicher Erfolg nicht deutsch-stämmiger B&uauml;rger
  8. LEKTION 7. Religionen: Konfliktpotenzial oder kulturelle Bereicherung?
  9. LEKTION 8. Mehr Rechte für Migranten durch das neue Staats- angehörigkeitsrecht
  10. LEKTION 9. Integration als Herausforderung für die Zukunft
  11. LEKTION 10. Merkel fordert bessere Chancen für Ausländer
  12. LEKTION 11. EU: Informelles EU-Ministertreffen zur Einwanderungspolitik
  13. LEKTION 12. Dialog der Kulturen. Viele Kulturen - eine Sprache
  14. LEKTION 13. Adelbert-von-Chamisso-Preis

Anhang

  1. I. Neue Tendenzen in der "Migrantenliteratur"
  2. II. Neuer Litefaturpreis ins Leben gerufen
  3. III. Chamisso-Preiströger Feridun Zaimoglu im Gespräch mit Armin Kratzert
  4. IV. Laudatio auf Feridun Zaimoglu, Adelbert-von-Chamisso-Preisträger 2005. Redemanuskript

Предисловие

Учебное пособие "Ausländer in Deutschland - Vom Gastarbeiter zum Mitbürger" предназначено для магистрантов и аспирантов, а также для широкого круга продолжающих изучать немецкий язык в вузах или на курсах и интересующихся проблемами миграции в современном глобальном мире. Данное учебное пособие может быть использовано в курсе дополнительного образования по немецкому языку.

Цель пособия - углубленное развитие коммуникативной компетенции в профессионально-ориентированных видах речевой деятельности: чтение и понимание оригинальных текстов, вторичная обработка текста: написание рефератов, докладов, монологическая и диалогическая речь, дискуссии, подготовка обзорных лекций по изученной тематике.

Содержательная сторона пособия посвящена актуальным проблемам различных аспектов развития общества в современном глобальном мире. Политические, экономические, социальные, религиозные, культурные проблемы миграции имеют большое значение не только для Германии, но и для большинства стран мира, в том числе и для России. Особую роль в интеграции мигрантов в немецкое общество играет образовательная политика государства. В связи с этим в пособии приводятся последние высказывания канцлера ФРГ Ангелы Меркель о системе образования в Германии и неотложных мерах по ее оптимизации. Много внимания в пособии уделено диалогу культур и межкультурной коммуникации в литературном процессе. "Литература мигрантов" представляет собой важный аспект современной немецкой литературы и вносит в нее значительный вклад.

Дидактизация текстов основана на принципе современной коммуникативной методики обучения немецкому языку как иностранному. Каждому тексту предшествуют предтекстовые упражнения, направленные или на повторение сложных синтаксических конструкций, необходимых для последующего перевода, или на интонационную оформленность высказывания или правильное ударение, или на специфику смыслообразования в немецком языке. Выполнение послетекстовых заданий на поиск информации и развитие разных видов речевой деятельности стимулирует разные виды речевой деятельности и служит основой для говорения и письменной речи.

Пособие снабжено лингвистическими и историческими пояснениями, а также энциклопедическими справками.

начало


LEKTION 1

Zuwanderung in Deutschland

Vorübungen zum Text 1

Lesen Sie zusammengesetzte Wörter mit richtiger Betonung:

Einwanderungsgeschichte, Familienangehörige, Einwanderungsstruktur, Asylbewerber, Spätaussiedler, Zuwanderungszahlen, Gesamtbevölkerung, deutschstämmig

Lesen Sie den Text 1 und machen Sie die Aufgaben zum Text.

Text 1

Zuwanderung in Deutschland

Deutschland hat eine lange Einwanderungsgeschichte1. Anders als Frankreich oder Großbritannien hat das Land kein koloniales Erbe. Daher kommen Migranten nicht aus ehemaligen Kolonien, sondern aus unterschiedlichsten Ländern in die Bundesrepublik. Arbeitsmigranten, die in den 1950er und 1960er Jahren ins Land kamen, bildeten die erste größere Gruppe von Einwanderern nach dem Zweiten Weltkrieg. Im nächsten Jahrzehnt folgten vor allem deren Familienangehörige. In den letzten 20 Jahren des vorigen Jahrhunderts änderte sich die Einwanderungsstruktur. Es gelangten hauptsächlich Asylbewerber2 und Flüchtlinge3 nach Deutschland, außerdem Millionen deutschstämmiger Spätaussiedler4 aus Osteuropa, besonders aus der ehemaligen Sowjetunion.

Mit über 800.000 Menschen jährlich hat Deutschland die höchsten absoluten Zuwanderungszahlen der europäischen Länder, die sich aber bei näherer Betrachtung relativieren5: Auf die Einwohnerzahl bezogen6 liegen Luxemburg und die Schweiz bei den Zuwanderungszahlen vorne. Im Jahr 2000 lebten in Deutschland 7,3 Millionen Menschen nicht-deutscher Herkunft7, immerhin rund neun Prozent der Gesamtbevölkerung.

Erläuterungen zum Text 1
1) Einwanderungsgeschichte (f) - история миграции
2) Asylbewerber (m) - лицо, просящее о предоставлении (политического) убежища
3) Flüchtling (m) - беженец
4) Spätaussiedler (m) - "поздние переселенцы" из бывшего Советского Союза и стран СНГ
5) relativieren - быть относительным
6) Auf die Einwohnerzahl bezogen - относительно количества населения
7) Herkunft (f) - происхождение

Aufgaben zum Text 1

1. Beantworten Sie Fragen zum Text 1.


1) Warum hat Deutschland eine andere Einwanderungsgeschichte als andere Westländer?
2) Wer bildete die erste größte Gruppe von Migranten?
3) Wie änderte sich die Einwanderungsstruktur am Ende des vorigen Jahrzehntes?
4) Welche Einwanderungsgruppen kamen ins Land in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts?
5) Woher kamen verschiedene Gruppen von Migranten?

1. Führen Sie den Satz zu Ende.
1) Anders als Frankreich oder Großbritanien ...
2) Im nachsten Jahrzehnt folgten ...
3) In den letzten 20 Jahren ...
4) Im Jahr 2000 lebten in Deutschland ...
5) Auf die Einwohnerzahl bezogen ...

TEST

3. Geben Sie den Inhalt des Textes in Deutsch wieder.

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LEKTION 2
"Gastarbeiter" für die expandierende Wirtschaft

Vorübungen zum Text 2

Lesen Sie die Jahreszahlen und die Namen der Länder mit richtiger Betonung vor.
Lesen Sie den Text 2 und machen Sie die Aufgaben zum Text.

Text 2
"Gastarbeiter" für die expandierende1 Wirtschaft

Da ein Mangel2 an deutschen Arbeitskräften herrschte, wurde am 20. Dezember 1955 mit der italienischen Regierung die erste Anwerbevereinbarung3 für Arbeitsmigranten, so genannte "Gastarbeiter", getroffen. Wenige Jahre später folgten Verträge mit Spanien und Griechenland (1960), der Türkei (1961), Marokko (1963), Portugal (1964), Tunesien (1965) und Jugoslawien (1968). Durch die Anwerbung hat sich die Zahl der ausländischen Bürger in Deutschland von knapp 700.000 im Jahr 1960 im Verlauf von nur zehn Jahren vervierfacht: 1970 lebten fast drei Millionen Ausländer in Deutschland, womit ihr Anteil an der Bevölkerung von 1,2 auf 4,9 Prozent angestiegen ist. Als sich eine Wirtschafts- und Energiekrise abzeichnete, wurde 1973 ein "Anwerbestopp"4 durch die Bundesregierung erlassen, der die Zuwanderung von Arbeitsmigranten beendete.

Heute leben ca. zwei Millionen Türken in Deutschland, mit einem Anteil von rund 28 Prozent stellen sie die größte Gruppe der gesamten ausländischen Bevölkerung. Viele von ihnen sind ehemalige „Gastarbeiter" oder deren Nachfahren.5 Die ersten türkischen "Gastarbeiter" beschäftigten die Ford Werke in Köln. Daher wurde die Stadt zu einem Zentrum türkischer Einwanderung.

Erläuterungen zum Text 2

1) expandieren - увеличиваться, расширяться expandierende Wirtschaft - растущая экономика
2) Mangel (m) an Dat. - недостаток в чем-либо
3) Anwerbevereinbarung (f) - соглашение о найме на работу
4) "Anwerbestopp" (m) erlassen - издать распоряжение о прекращении найма
5) Nachfahren (pl) - потомки

Aufgaben zum Text 2

1. Beantworten Sie Fragen zum Text 2.
1) Warum kamen so viele Arbeitsmigranten nach dem II. Weltkrieg nach Deutschland?
2) Wann und mit wem wurde die erste Anwerbevereinbarung getroffen?
3) Mit welchen Ländern wurden auch Verträge geschlossen?
4) Wann folgten die nächsten Anwerbevereinbarungen?
5) Wann zeichnete sich eine Wirtschafts- und Energiekrise in der Bundesrepublik ab?
6) Wurden zu dieser Zeit neue "Gastarbeiter" nach Deutschland verlangt?
7) Wo waren die ersten türkischen Gastarbeiter beschäftigt?
8) Welche Stadt wurde zum Zentrum türkischer Einwanderung?

TEST

2. Suchen Sie im Text die Sätze im Passiv und die, wo das Verb "werden" in selbständiger Bedeutung gebraucht wird, und übersetzen Sie sie ins Russische.

3. Sprechen Sie im Dialog anhand der obengenannten Fragen zum Text.

4. Was wissen Sie über Migranten in Russland? Schreiben Sie ein Referat dazu (12-14 Sätze).

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LEKTION 3

"Man hat Arbeitskräfte gerufen, und es kommen Menschen"

Vorübungen zum Text 3

1. Sprechen Sie folgende Zusammensetzungen richtig aus:
Betriebsrat, Familiennachzüge, Geburtenraten, Ausländerbeirat, Kommunalwahlrecht, Mitbestimmungsmöglichkeit, Interessenverbreitung

Lesen Sie den Text 3 und machen Sie die Aufgaben zum Text.

Text 3

"Man hat Arbeitskräfte gerufen, und es kommen Menschen"

Mit dieser Aussage bezog sich1 der Schriftsteller Max Frisch Mitte der 1960er Jahre auf die Arbeitsmigranten in der Schweiz, doch ist sie auf Deutschland übertragbar2. Als die ersten türkischen "Gastarbeiter" kamen, lebten in Deutschland erst wenige >Muslime, weshalb man den Umgang mit ihnen kaum gewohnt war3. Der gemeinsame Arbeitsalltag4 erforderte gegenseitige Rücksichtnahme5: auf dem Speiseplan der Kantinen6 musste beispielsweise wenigstens ein Gericht ohne Schweinefleisch stehen. Der Betriebsrat7 der Kölner Ford Werke richtete sogar einen Gebetsraum8 für die muslimischen Arbeiter ein.

Dass das Zusammenleben von beiden Seiten intensive Bemühungen erfordern würde, war anfangs Arbeitsmigranten wie Deutschen nicht bewusst9. Geplant war ein Rotationsprinzip10, demzufolge die "Gastarbeiter" einige Jahre in Deutschland arbeiten, dann ins Herkunftsland zurückkehren und bei Bedarf durch neue "Gastarbeiter" ersetzt werden sollten. So geschah es auch zunächst: Zwischen dem Beginn der Anwerbung 1955 und dem Anwerbestopp 1973 kamen ca. 14 Millionen "Gastarbeiter" ins Land, und rund 11 Millionen von ihnen kehrten wieder in ihre Heimatländer zurück. Aufgrund der hohen Zahl der Rückkehrer schien es nicht nötig, konkrete Schritte zur Integration der Arbeitsmigranten zu unternehmen. Dies kommt auch in der Bezeichnung "Gastarbeiter" zum Ausdruck11: Ein Gast ist jemand, der nur für eine begrenzte Zeit anwesend ist - eine Sicht, die von Deutschen und "Gastarbeitern" geteilt wurde. Ziel der meisten Arbeitsmigranten war es, in möglichst kurzer Zeit genug Geld anzusparen, um sich nach der Rückkehr in der Heimat eine neue Existenz aufbauen zu können. Wenn man ohnehin nur einen kurzen Aufenthalt in einem fremden Land plant, kümmert man sich in der Regel wenig um Integration und eine aktive Teilnahme am öffentlichen Leben.

Viele Migranten sahen mit der Zeit die besseren Chancen für ihr Leben und das ihrer Kinder in Deutschland. Nach jahrelangem Aufenthalt dort arrangierte12 man sich mit dem Alltagsleben. Durch den Schulbesuch der Kinder, in einer deutschen Schule wurde der Entschluss zur Rückkehr zusätzlich erschwert. Wer dennoch versuchte, in seinem Herkunftsland wieder Fuß zu fassen13, musste oft feststellen, dass es unerwartet schwer war, sich wieder einzuleben14. Hatte man auch noch nicht lange genug in Deutschland gelebt, um hier völlig heimisch15 zu werden, war man doch mit den Jahren in der eigentlichen Heimat zum Fremden geworden. Die wachsende Zahl der Arbeitsmigranten bewirkte auch eine sprachliche Veränderung: aus "Gastarbeitern" wurden in der Umgangssprache "Ausländer".

Auch nach dem Anwerbestopp stieg die Zahl der Ausländer durch Familiennachzüge16 und hohe Geburtenraten weiter. Die Situation einer wachsenden Anzahl auf Dauer in Deutschland lebender Menschen nichtdeutscher Herkunft machte es notwendig, Wege für ein harmonisches Zusammenleben zu finden. Ein Weg bestand seit den frühen 1970er Jahren in der Einrichtung von Ausländerbeiräten. Sie sollten Ausländern anstelle des ihnen nicht zustehenden Kommunalwahlrechts17 eine Mitbestimmungsmöglichkeit18 geben und wurden zu einem wichtigen Bestandteil der Kommu-nalpolitik19. Die Ausländerbeiräte20, in denen Menschen aus 130 Nationen zusammenarbeiten, leisten als einzige legitimierte Interessenvertretung der Migranten in Deutschland mit ihrer Arbeit einen praktischen Beitrag21 zur Integration.

Auf Bundesebene reagierte man auf die steigende Zahl der Migranten, indem 1978 das Amt des "Beauftragten22 der Bundesregierung für die Integration der ausländischen Arbeitnehmer und ihrer Familienangehörigen" geschaffen wurde. Unter der Bezeichnung des "Beauftragten der Bundesregierung für Ausländerfragen" gibt es das Amt bis heute.

Erläuterungen zum Text 3

1) sich beziehen auf Akk. - касаться чего-либо
5) übertragbar sein - можно перенести на …
a. -bar - модальный суффикс, обозначающий возможность
6) ... weshalb man den Umgang mit ihnen kaum gewohnt war - поскольку еще не привыкли к общению с ними
7) Arbeitsalltag (m) - трудовые будни
8) Rücksichtnahme (f) - уважение, такт
9) Kantine (f) - столовая на производстве (предприятии)
10) Betriebsrat (m) - производственный совет (на предприятии)
11) einen Gebetsraum einrichten - создать (оборудовать) помещение для молитвы (молебна)
12) bewusst sein - отдавать себе отчет, сознавать
13) Rotationsprinzip (n) - принцип ротации
14) zum Ausdruck kommen - найти выражение
15) sich arrangieren mit Dat. - согласиться, прийти к соглашению
16) Fuß fassen - утвердиться, обосноваться (в стране )
17) sich einleben - свыкаться, сживаться
18) sich in einem Land einleben - привыкнуть к жизни в стране
19) heimisch werden - освоиться в стране
20) Familiennachzüge (pl) - переехавшие (в Германию) вслед за семьей
21) Kommunalwahlrecht (n) - право участвовать в муниципальных выборах
22) Mitbestimmungsmöglichkeit (f) - возможность участия в голосовании
23) Kommunalpolitik (f) - муниципальная политика
24) Ausländerbeirat (m) - совет по делам иностранцев
25) einen Beitrag leisten zu Dat. - вносить вклад во что-либо
26) Beauftragter für Akk. - уполномоченный по делам …

Aufgaben zum Text 3
1. Beantworten Sie Fragen zum Text 3.

1) Was hat der Schriftsteller Max Frisch über die Arbeitsmigranten in der Schweiz gesagt?
2) Lebten in Deutschland mitte der 60er Jahre viele Migranten?
3) Was erforderte der gemeinsame Arbeitsalltag von den Deutschen und den Türken?
4) Was richtete der Betriebsrat der Kölner Ford Werke ein?
5) Was beinhaltete ein Rotationsprinzip?
6) Kehrten viele Gastarbeiter in ihre Heimatländer zurück?
7) Was bedeutet der Ausdruck "Gastarbeiter"?
8) In welchem Land sahen die Arbeitsmigranten die besseren Chancen für ihr Leben?
9) War es für die Migranten leicht, sich im Heimatland wieder einzuleben?
10) Wodurch stieg die Zahl der Ausländer nach dem Anwerbestopp?
11) Wozu wurden die Ausländerbeiräte eingerichtet?
12) Welches Amt wurde 1978 auf Bundesebene geschaffen?
13) Gibt es dieses Amt auch heute?

2. Suchen Sie im zweiten Absatz des Textes Sätze mit Infinitivgruppen und übersetzen Sie sie ins Russische.

3. Stellen Sie Fragen zu folgenden Sätzen. Als Fragewörter gebrauchen Sie Pronominaladverbien (z.B. worauf).

1) Die Aussage von Max Frisch bezog sich auf die Migranten in der Schweiz.
2) Man kümmert sich in der Regel wenig um Integration.
3) Nach jahrelangem Aufenthalt in Deutschland arrangierte man sich mit dem Alltagsleben.
4) Mit der Zeit sahen die Migranten die besseren Chansen für ihr Leben.

4. Suchen Sie im vierten Absatz des Textes Sätze mit erweiterten Attribut und geben Sie in russischer Sprache zwei Varianten der Übersetzung.

TEST

Geben Sie eine Überschrift jedem Teil des Textes und referieren Sie den Text. Gebrauchen Sie dabei folgende Redemittel:

Der Text ist dem Thema ... gewidmet.
Im ersten Teil des Textes handelt es sich um ... .
Der Autor betont ... .
Meiner Meinung nach ist dieser Artikel (interessant, spannend, diskutabel ...).

6. Übersetzen Sie schriftlich den zweiten und den dritten Absatz des Textes.

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LEKTION 4

Umgang im Alltag schafft Normalität

Vorübungen zum Text 4
1. Sprechen Sie mit richtiger Betonung folgende Zusammensetzungen:

Integrationsbemühungen, Bürgerkriegsflüchtlinge, Ballungszentrum, Bevölkerungsanteil, Wiedervereinigung, Fremdenfeindlichkeit, Wohnbevölkerung

Lesen Sie den Text 4 und machen Sie die Aufgaben zum Text.

Text 4

Umgang im Alltag schafft Normalität

In Deutschland leben Migranten mit unterschiedlichsten kulturellen Hintergründen1, die aus verschiedenen Gründen ins Land gekommen sind. Einige von ihnen finden sich leicht im neuen Umfeld zurecht2, andere schwerer. Geringere Priorität haben Integrationsbemühungen3 für Personen, die ohnehin nur für eine begrenzte Zeit in Deutschland leben und arbeiten, etwa Bürgerkriegsflüchtlinge4, ausländische Studenten oder Green Card-Arbeitnehmer5. Für die Menschen, die sich längere Zeit in Deutschland aufhalten, ist Integration jedoch notwendig.

Je weiter Normen und Wertmaßstäbe6, Religion, Erziehungsstile und Sprache im Herkunftsland7 der Migranten von deutschen Gegebenheiten abweichen8, desto schwieriger gestaltet9 sich tendenziell die Integration. Das Ziel aller Bemühungen ist die Akzeptanz10 von Migranten als festem Bestandteil der deutschen Bevölkerung und ihre Teilnahme am politischen, gesellschaftlichen und öffentlichen Leben. Dies ist umso wichtiger, wenn man in Betracht zieht11, dass Ausländer in der Regel längere Zeit in Deutschland bleiben: Fast die Hälfte von ihnen lebt heute seit mindestens zehn Jahren im Land. Der Anteil der jüngeren Ausländer, die hier geboren sind und damit eher eine engere Bindung an Deutschland haben, ist steigend. Je jünger ausländische Mitbürger sind, desto häufiger haben sie Kontakt12 zu Deutschen. Der Umgang miteinander ist selbstverständlicher geworden, als er es noch vor rund 20 Jahren war: 1980 gaben in einer Umfrage nur rund zwölf Prozent der Deutschen an, nachbarschaftliche Kontakte zu Ausländern zu pflegen, und nur 15 Prozent der Befragten zählten Ausländer zu ihrem Freundesoder Bekanntenkreis. 1996 waren diese Anteile immerhin auf 37 bzw. 51 Prozent angestiegen. Allerdings ist die Häufigkeit solcher Kontakte in der Bevölkerung nicht gleichmäßig verteilt. Generell ist der Anteil der nichtdeutschen Bevölkerung in den Ballungszentren13 fast doppelt so hoch14 wie in ländlichen Gebieten. Auch in den einzelnen Bundesländern gibt es unterschiedlich große ausländische Bevölkerungsanteile. Während der Anteil der ausländischen Bevölkerung in der westlichen Landeshälfte durchschnittlich 10,5 Prozent der Wohnbevölkerung beträgt, lebten 1998 in den Ländern der früheren DDR mit Ausnahme des Landes Brandenburg weniger als zwei Prozent Ausländer. Auch nach der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten 1990 erhöhte sich ihre Anzahl nur leicht. Wo der Umgang mit Ausländern weniger alltäglich ist, ist tendenziell auch die Fremdenfeindlichkeit15 größer. So kam es zu Beginn der 1990er Jahre in mehreren ostdeutschen Städten zu gewalttätigen Übergriffen16 auf die ausländische Bevölkerung, die es zuvor in diesem Ausmaß in Deutschland nicht gegeben hatte.

Erläuterungen zum Text 4

1) Hintergrund (m) - фон; kultureller Hintergrund - культурный фон
2) sich zurecht finden - ориентироваться, разобраться, зд.: найти свое место в жизни
3) Integrationsbemuhungen (pl) - усилия по интеграции (в общество)
4) Burgerkriegsflüchtlinge (pl) - беженцы, покинувшие родину из-за гражданской войны
5) Green Card-Arbeitnehmer - документ, разрешающий человеку, не являющемуся гражданином Германии, жить и работать в этой стране
6) Wertmaßstäbe (pl) - ценности (культурные)
7) Herkunftsland (n) - страна происхождения, зд.: родина
8) von deutschen Gegebenheiten abweichen - отступать от устоявшихся немецких традиций
9) sich gestalten - принимать вид, формироваться; складываться, принимать какой-л. оборот
10) Akzeptanz (f) - согласие, признание, одобрение, принятие во внимание
11) in Betracht ziehen - принимать во внимание (в расчет)
12) Kontakt haben (pflegen) - поддерживать контакты
13) Ballungszentrum (n) - центр сосредоточения, центр высокой плотности (населения, промышленности)
14) doppelt so hoch sein - быть вдвое больше
15) Fremdenfeindlichkeit (f) - враждебность по отношению к иностранцам, ксенофобия
16) es kam zu gewalttätigen Übergriffen - дело дошло до нападения с применением насилия

Aufgaben zum Text 4

1. Beantworten Sie Fragen zum Text 4.
1) Für welche Ausländer hat die Integration geringere Priorität?
2) Was ist von besonderer Bedeutung bei der Integration der Migranten?
3) Woran sollen die Migranten in Deutschland teilnehmen?
4) Aus welchen Gründen gestaltet sich die Integration viel schwieriger?
5) Welche Ausländer haben häufiger Kontakt zu Deutschen?
6) In welchen Ländern ist der Anteil der Ausländer besonders hoch?
7) Gibt es viele Migranten in den Ländern der ehemaligen DDR?
8) Wo ist die Fremdenfeindlichkeit größer und warum?

2. Führen Sie die Sätze bis zu Ende.

Das Ziel aller Bemühungen ist ...
Fast die Hälfte der Migranten ...
Der Umgang miteinander ist ...
Generell ist der Anteil der nicht-deutschen Bevölkerung ...
Auch nach der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten 1990 ...
Wo der Umgang mit Ausländern weniger alltäglich ist, ...

TEST

3. Suchen Sie im Text die Sätze mit doppelten Konjugationen je ... desto. Merken Sie sich, in welcher Komparationsstufe die Adjektive in solchen Sätzen gebraucht sind. Übersetzen Sie die Sätze ins Russisch.

4. Bitte kombinieren Sie die Satzteile zu kompletten Sätzen, indem Sie sie mit je – desto verbinden.

1) Religion, Sprache im Herkunftsland weichen weiter ab – die Integration ist schmierig.
2) Die ausländischen Mitbürger sind jung – sie haben häufig Kontakt zu Deutschen.
3) Der Umgang mit Ausländern ist wenig alltäglich – die Fremdenfeindlichkeit ist tendenziell groß.

5. Referieren Sie den Text, gebrauchen Sie dabei folgende Redemittel:

1) In diesem Text handelt es sich um ...
2) In diesem Text geht es um ...
3) Die Hauptaussage (Hauptidee) des Textes ist ...
4) Es wird ausführlich dargestellt ...
5) Meiner Meinung nach ...
6) Es wäre von großer Bedeutung ...
7) Der Autor betont ...
8) Der Autor bezieht sich auf ...
9) Der Artikel endet mit ...

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LEKTION 5

Bildung als Schlüssel zum Erfolg

Vorübungen zum Text 5
1. Sprechen Sie mit richtiger Betonung folgende Zusammensetzungen:

Mehrheitsgesellschaft, Generationswechsel, Gastarbeitergeneration, Schulalltag, Schullaufbahn, Selbstbewußtsein,Verständigungsschwierigkeiten, Herkunftsland, Berufsausbildung, Arbeitslosenquote, Bildungschancen

Lesen Sie den Text 5 und machen Sie die Aufgaben zum Text.

Text 5

Bildung als Schlüssel zum Erfolg
1) Die ersten „Gastarbeiter" besetzten vor mehr als 40 Jahren in der Mehrzahl Stellen als ungelernte Arbeiter und damit solche, die Deutsche nicht haben wollten, weil sie ihren Ansprüchen nicht genügten1. Inzwischen hat sich die berufliche Position der Einwanderer zwar etwas verbessert, aber immer noch haben Migranten schlechtere Bildungschancen. Im Beruf sind sie öfter von der Arbeitslosigkeit bedroht2 als die Mehrheitsgesellschaft3, da eine größere Anzahl von ihnen einfachen, angelernten Tätigkeiten nachgeht4. So wird die wirtschaftliche und soziale Integration erschwert. Zu Beginn des Jahres 2001 betrug die Arbeitslosenquote von Ausländern 17,5 Prozent, die durchschnittliche Arbeitslosenquote nur 11,1 Prozent.
2) Die allmähliche Änderung dieser Strukturen geht mit einem Generationswechsel einher. 23 Prozent der ausländischen Bevölkerung sind unter 18 Jahre alt, fast zwei Drittel von ihnen sind in Deutschland geboren. Inzwischen haben mehr als 40 Prozent aller in Deutschland lebenden Migranten deutsche Schulen besucht. Ein qualifizierter Abschluss bietet ihnen Möglichkeiten, die der "Gastarbeitergeneration" nicht offen standen. Dennoch birgt die Schullaufbahn5 für ausländische Kinder manche Probleme6. Neben der Tatsache, dass doppelt so viele von ihnen die Schule abbre­chen7 wie deutsche Jugendliche, lässt auch der hohe Haupt-8 und Sonderschulanteil9 auf soziale Benachteiligung10 schließen. Jeder zweite türkische Jugendliche besucht die Hauptschule, der Anteil bei den deutschen Altersgenossen11 beträgt nur zwölf Prozent.
3) Viele ausländische Schüler haben Probleme mit der deutschen Sprache und beteiligen sich daher weniger aktiv am Unterricht. Je höher ihr Anteil in einer Klasse ist (er beträgt in manchen Stadtteilen deutscher Großstädte bis zu 90 Prozent), desto schwieriger wird der Erwerb der notwendigen Sprachkompetenz12. Erschwerend kommt hinzu, dass auch die Eltern ausländischer Kinder oft nur mangelhafte Deutschkenntnisse haben. Das Beherrschen der deutschen Sprache ist jedoch eine wesentliche Grundlage, ohne die man in der deutschen Gesellschaft beruflich kaum Erfolg haben kann.
4) Weil viele ausländische Kinder auch die Sprache ihrer Eltern nicht mehr richtig beherrschen, ist muttersprachlicher Unterricht zumindest in städtischen Ballungsgebieten eine sinnvolle Ergänzung des Lehrplans. In Nordrhein-Westfalen wird muttersprachlicher Unterricht in türkischer Sprache angeboten, ein Angebot, das positiv aufgenommen wurde. Gute Sprachkompetenz stärkt das Selbstbewusstsein der Jugendlichen, das für eine erfolgreiche Integration notwendig ist.
5) Ein von Lehrern oft beklagtes Problem ist die mangelnde Bereitschaft vieler ausländischer Eltern zur Mitarbeit, aber deren Zurückhaltung kann - neben der Angst vor sprachlichen Verständigungsschwierigkeiten - auch in den Gepflogenheiten des Herkunftslandes13 ihre Gründe haben. Beispielsweise in der Türkei oder in Albanien ist die Beteiligung der Eltern am Schulalltag ihrer Kinder unüblich. Der Lehrer bittet meist nur zum Gespräch, wenn er sich über schlechte Leistungen der Kinder beklagen14 will. An der Gestaltung eines Elternabends oder Schulfestes wirken Eltern in aller Regel nicht mit. Zudem können traditionell geprägte Migranten, die ihre Kultur auch im Ausland an die Kinder vermitteln möchten, mit der freiheitlichen Erziehung an deutschen Schulen in Konflikt geraten15. So können unterschiedliche Vorstellungen Eltern und Jugendlichen gleichermaßen Probleme bereiten.
6) Die Zahl der ausländischen Jugendlichen in Deutschland, die keine Berufsausbildung absolvieren16, ist steigend. Waren es 1994 noch 43,5 Prozent, die eine Ausbildung durchliefen, so war der Anteil 1997 auf gut 37 Prozent gesunken. Dagegen absolvierten in diesem Jahr fast 61 Prozent der deutschen Jugendlichen eine Berufsausbildung. Innerhalb der ausländischen Bevölkerung sind Unterschiede feststellbar: rund 65 Prozent der spanischen Jugendlichen in Deutschland, aber nur knapp 40 Prozent der Türken schlossen eine berufliche Ausbildung ab. Besonders bedenklich ist es, dass über die Hälfte der ausländischen Frauen im Alter zwischen 20 und 30 nicht über eine abgeschlossene Berufsausbildung verfügt.
7) Um diese Situation zu verbessern, fördert17 die Bundesregierung mit jährlich rund 51 Millionen Euro Projekte zur sprachlichen, beruflichen und sozialen Integration von Ausländern. Durch solche Maßnahmen kann der Abschottung von Migranten entgegengewirkt18 werden. Besonders bei Türken spielt die grundsätzliche Bereitschaft zur Integration eine wichtige Rolle, denn wer in einer Großstadt lebt und nicht gewillt ist, Deutsch zu lernen, hat durchaus die Möglichkeit, sich mit türkischen Geschäften, Ärzten, Moscheen, Gaststätten und Zeitungen zu behelfen.
8) Es gibt jedoch auch Erfolge zu verzeichnen: trotz aller Schwierigkeiten studieren über 20.000 türkischstämmige Studenten an deutschen Universitäten. Das ist eine Chan­ce, den niedrigen Anteil der ausländischen Beschäftigten in mittleren und höheren Positionen in Zukunft zu erhöhen.

Erläuterungen zum Text 5

1) den Ansprüchen genügen - удовлетворять (соответствовать) потребностям
2) von der Arbeitslosigkeit bedroht sein - находиться под угрозой безработицы
3) Mehrheitsgesellschaft (f) - бoльшая часть населения
4) der Tätigkeit nachgehen - выполнять работу
5) Schullaufbahn (f) - школьная карьера
6) Probleme bergen - таить в себе проблемы
7) die Schule abbrechen - прервать учебу, уйти из школы
8) Hauptschule (f) - основная школа
9) Sonderschule (f) - специальная школа (для детей с дефектами развития)
10) soziale Benachteiligung - ущемление социальных прав, социальная дискриминация
11) Altersgenossen (pl) - ровесники
12) Erwerb der Sprachkompetenz - приобретение языковой компетенции (овладение языком)
13) Gepflogenheiten des Herkunftslandes - привычки, традиции родной страны
14) sich über schlechte Leistungen beklagen - жаловаться на плохую успеваемость
15) in Konflikt geraten - быть втянутым в конфликт
16) Berufsausbildung absolvieren - закончить профессиональное образование
17) Projekte fördern - содействовать осуществлению проектов
18) der Abschottung von Migranten entgegenwirken - содействовать закреплению мигрантов.

Aufgaben zum Text 5

1. Beantworten Sie Fragen zum Text 5.
1) Welche Stellen besetzten "Gastarbeiter" vor vierzig Jahren?
2) Haben Migranten gute Bildungschansen?
3) Wovon sind Migranten im Beruf bedroht?
4) Wodurch wird die wirtschaftliche und soziale Integration der Migranten erschwert?
5) Welche Möglichkeiten bietet den Migranten ein qualifizierter Abschluss?
6) Welche Schulen besuchen die Migrantenkinder und Jugendliche?
7) Was ist die Grundlage für den beruflichen Erfolg in der deutschen Gesellschaft?
8) Wodurch wird der Lehrplan in den Schulen von Nordrhein-Westfalen ergänzt?
9) Wie sind die Gepflogenheiten der Eltern in Beziehung zur Schule in Herkunftsländern?
10) Haben Migrantenkinder die Möglichkeit, an deutschen Universitäten zu studieren?

2. Suchen Sie im Text Sätze mit erweitertem Attribut und übersetzen Sie sie ins Russisch.

TEST

3. Bestimmen Sie die Art der Nebensätze und übersetzen Sie sie ins Russisch.
1) In Deutschland leben Migranten mit unterschiedlichen kulturellen Huntergründen, die aus verschiedenen Gründen ins Land gekommen sind.
2) Für die Menschen, die sich längere Zeit in Deutschland aufhalten, ist Integration jedoch notwendig.
3) Den verantwortlichen deutschen Politikern stellten sich viele Probleme, die sehr eng mit den Migranten verbunden sind und längst gelöst werden sollten.

4. Formen Sie das erweiterte Attribut in Relativsätze um.
1) Ein von Lehrern oft beklagtes Problem ist die geringe Bereitschaft der Eltern, der Schule zu helfen.
2) Der in Nordrhein-Westfalen verbreitete muttersprachliche Unterricht ist ein positives Angebot für die Schüler.
3) Die sich immer weniger am Deutschunterricht beteiligte Zahl der Schüler beträgt in Großstädten bis 90 Prozent.

5. Übersetzen Sie den dritten und vierten Absatz des Textes.

6. Schreiben Sie Überschrift für jeden Absatz des Textes.

7. Schreiben Sie ein Referat zum Thema "Die Rolle der Bildung im Leben von Migranten".

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LEKTION 6

Beruflicher Erfolg nicht deutsch-stämmiger Bürger

Vorübungen zum Text 6

1. Sprechen Sie mit richtiger Betonung folgende Zusammensetzungen:

Dienstleistungssektor, Türkeistudie, Jahresumsatz, Jahrgangsbeste, Referendarzeit, Wettbewerbsrecht, Berufungsurkunde, Landesvorstand, Einwanderungsgeneration, Staatsbürgerschaft, Vaterlandsverräter

2. Übersetzen Sie folgende Sätze ins Russische.

1) Es gibt in Deutschland knapp 300 000 ausländischer Unternehmer, die einen beachtlichen Wirtschaftssektor darstellen und Arbeitsplätze schaffen.
2) Allein die ca. 60 000 türkische Selbständigen, deren Anzahl sich in der letzten Zeit verdoppelt hat, haben einen Milliardenumsatz im Jahr.
3) Die Bedeutung der ausländischen Unternehmer, deren Angebot immer reichhaltiger wird, ist in Deutschland nicht unterschätzt.
4) Der Politiker Cem Özdemir, dessen Vater ein türkischer Einwanderer war, wurde in Schwaben geboren und hat Sozialpädagogik an der Universität studiert.
5) Zum ersten Mal in der Geschichte wurde er, der aus zweiten türkischen Einwanderergeneration stammte, Mitglied des deutschen Bundestages.

Lesen Sie den Text 6 und machen Sie die Aufgaben zum Text.

Text 6

Beruflicher Erfolg nicht deutsch-stämmiger Bürger

Die positiven Beispiele für beruflichen Erfolg und gesellschaftliches Engagement1 ausländischer Mitbürger werden von der deutschen Gesellschaft oft nicht angemessen wahrgenommen2, beispielsweise die knapp 300.000 ausländischen Unternehmer, die einen beachtlichen Wirtschaftsfaktor darstellen und Arbeitsplätze schaffen. Mit rund 8,8 Prozent sind fast ebenso viele ausländische Erwerbstätige selbständig, wie deutsche mit 10,1 Prozent. Die meisten von ihnen sind türkischer Herkunft, aber es gibt auch viele italienische, griechische und portugiesische Unternehmer, die oft im Dienstleistungssektor3 tätig sind. Allein die ca. 60.000 türkischen Selbstständigen, deren Anzahl sich seit 1985 mehr als verdoppelt hat, erwirtschafteten einer Analyse des Essener Zentrums für Türkeistudien zufolge im Jahr 2000 einen Umsatz4 von rund 55,7 Milliarden DM (ca. 28,5 Milliarden Euro). Sie beschäftigten 327.000 Personen, von denen über 40 Prozent nichttürkischer Herkunft waren. Die zahlreichen türkischen Lebensmittelläden in deutschen Städten werden auch von deutschen Kunden geschätzt, und es spricht ebenfalls für sich5, dass die ca. 10.000 türkischen "Döner buden"6, die es in Deutschland gibt, mit rund 3,6 Milliarden DM (ca. 1,84 Milliarden Euro) Mitte der 1990er Jahre einen höheren Jahresumsatz hatten als McDonald's.

Da man die Bedeutung der ausländischen Unternehmer für die deutsche Wirtschaft inzwischen erkannt hat, wird eine Diskussion darüber geführt, auf welchem Weg man ihnen den Zugang zum Arbeitsmarkt erleichtern kann. Neben der Verringerung der beträchtlichen bürokratischen Hürden7 gehört dazu auch das Angebot von Sprachkursen.

Ein Beispiel für herausragenden beruflichen Erfolg nicht-deutschstämmiger Einwoh­ner ist Zümrüt Gülbay. Sie wurde 1970 in Ankara geboren und kam im Alter von zwei Jahren als Tochter türkischer Einwanderer nach Berlin. Nachdem sie ihr Abitur als Jahrgangsbeste8 abgelegt9 hatte, begann sie ein Jurastudium, machte das erste Staatsexamen nach sieben Semestern und promovierte sich in der Referendarzeit10. An ihre Promotion11 über europäisches Wettbewerbsrecht im Alter von 25 Jahren schloss sich die Habilitation12 an. 1998, am Tag ihres 28. Geburtstags, erhielt Zümrüt Gülbay ihre Berufungsurkunde13 als Professorin - die jüngste, die es in Deutschland je gab.

Bekannter als Zümrüt Gülbay ist der Politiker Cem Özdemir. Er wurde 1965 als Sohn türkischer Einwanderer in Schwaben geboren. Cem Özdemir studierte nach einer Ausbildung zum Erzieher Sozialpädagogik. Mit 16 Jahren wurde er deutscher Staatsangehöriger, im selben Jahr trat er in die Partei "Die Grünen" ein. Von 1989 bis 1995 war er Mitglied des Landesvorstandes dieser Partei in Baden-Württemberg, 1994 wurde er in den Deutschen Bundestag gewählt. Damit machte er Geschichte14, denn zum ersten Mal wurde jemand aus der in Deutschland geborenen zweiten Einwanderergeneration15 Mitglied des deutschen Parlaments. Özdemir engagiert sich16 für die Integration von Ausländern in die deutsche Gesellschaft und wurde dafür schon >mit mehreren Preisen ausgezeichnet17. Andererseits wird er, der seit über 25 Jahren die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt, noch immer von vielen Menschen aufgrund seines Namens und seines Aussehens als Ausländer betrachtet. Weil er Kritik an der Türkei geäußert hat, wurde er von einer rechtsgerichteten türkischen Tageszeitung18 als "Vaterlandsverräter"19 beschimpft. Das Gefühl, zwischen allen Stühlen zu sitzen, ist also auch für eingebürgerte Ausländer20, die sich mehr für die Gesellschaft engagieren als mancher Deutsche, nicht unbekannt.

Erläuterungen zum Text 6

1) Engagement (n) - увлеченность, активное участие
2) werden nicht angemessen wahrgenommen - их недостаточно оценивают, общество недооценивает их
3) Dienstleistungssektor (m) - сектор услуг
4) Umsatz (m) - оборот
5) es spricht für sich - это говорит само за себя
6) Dönerbude (f) - ларек, в котором продается шаурма по-турецки
7) Hürde (f) - барьер, заслон, препятствие
8) Jahrgangsbeste (f) - лучшая студентка своего выпуска
9) Abitur (f) ablegen - сдать экзамен на аттестат зрелости
10) Referendarzeit (f) - время стажировки по специальности
11) Promotion (f) - защита кандидатской диссертации
12) sich promovieren - защитить кандидатскую диссертацию
13) Habilitation (f) - защита докторской диссертации
14) Berufungsurkunde (f) - приглашение занять вакантную должность
15) Geschichte machen - делать историю (важный исторический факт)
16) zweite Einwanderergeneration - второе поколение мигрантов
17) sich engagieren für Akk. - активно участвовать
18) mit Preisen auszeichnen - наградить премиями
19) rechtsgerichtete Tageszeitung - газета правого толка (направления)
20) Vaterlandsverräter (m) - предатель родины
21) eingebürgerter Ausländer - иностранец, имеющий немецкое гражданство

Aufgaben zum Text 6

1. Beantworten Sie Fragen zum Text 6.

1) Was stellen die ausländischen Unternehmen dar?
2) Wo sind die meisten ausländischen Unternehmer tätig?
3) Von wem werden die türkischen Lebensmittelläden geschätzt?
4) Worüber wird eine Diskussion geführt?
5) Wie kann man den ausländischen Unternehmern den Zugang zum Arbeitsmarkt erleichtern?
6) Wer hat einen höheren Jahresumsatz?

TEST

2. Lesen Sie aufmerksam den 3. Absatz des Textes. Ergänzen Sie die Sätze mit Fragewörtern ( wie, wo, was, wann, in welchem, wer, ob) und beantworten Sie sie.

1) Können Sie mit bitte sagen, ... den herausragenden beruflichen Erfolg unter den Ausländern hatte?
2) Wissen Sie vielleicht, ... sie heisst?
3) Ich möchte fragen, ... sie geboren ist?
4) Ich würde gerne wissen, ... sie studiert hatte?
5) Es ist interessant zu wissen, ... sie sich promoviert hatte?
6) Ich weiss leider nicht, ... Alter sie ihre Berufungsurkunde als Professorin erhalten hat?
7) Ich hätte gern gewusst, ... sie die jüngste Professorin in Deutschland ist?

3. Übersetzen Sie den 4. Absatz des Textes ins Russisch.

4. Führen Sie die Sätze zu Ende dem Inhalt des Textes nach.
1) Bekannter als Zümrut Gülbay ...
2) Er wurde 1965 ...
3) Mit 16 Jahren wurde ...
4) Von 1989 bis 1995 war ...
5) 1994 wurde er ...
6) Er engagiert sich ...
7) Er wurde dafür mit mehreren ...
8) Seit 25 Jahren besitzt er ...
9) Er hat Kritik an der Türkei geäußert und wurde ...

5. Übersetzen Sie ins Russisch den letzten Absatz des Textes.

6. Betiteln Sie jeden Absatz des Textes und referieren Sie den Text.

начало


LEKTION 7

Religionen: Konfliktpotenzial oder kulturelle Bereicherung?

Vorübungen zum Text 7

1. Sprechen Sie mit richtiger Betonung folgende Zusammensetzungen:

Integrationsprozess, Religionsfreiheit, Werkskantine, Fastenmonat, Bekleidungsvorschriften, Kopftuchverbot, Bürgerkriegsflüchtlinge

Lesen Sie den Text 7 und machen Sie die Aufgaben zum Text.

Text 7

Religionen: Konfliktpotenzial oder kulturelle Bereicherung?

Ein Aspekt, der Konflikte im Integrationsprozess mit sich bringen kann, ist das Miteinander der verschiedenen Religionen in Deutschland. Die größte Gruppe der Migranten gehört mit fast drei Millionen Menschen dem Islam an. Im über 50 Jahre alten deutschen Grundgesetz ist festgelegt, dass jeder Mensch eine Religion haben und sich öffentlich zu ihr bekennen1 darf. Aufgrund der Ausübung seiner Religion2 darf niemand benachteiligt oder bevorzugt werden. Eingeschränkt wird die Religionsfreiheit erst, wenn eine Religion oder extremistische Gruppen sich gegen andere im Grundgesetz garantierte Freiheiten richten.

Die Ausübung ihrer Religion wird Ausländern durch geringes Interesse und mangelnde Rücksichtnahme3 seitens der deutschen Bevölkerung allerdings oft erschwert. Eine positive Ausnahme ist beispielsweise die Ford AG, deren Werkskantine im islamischen Fastenmonat4 Ramadan auch nach Einbruch der Dunkelheit5 geöffnet hat. Erstaunlich viel Rücksicht wurde bereits vor fast 40 Jahren auf muslimische "Gastarbeiter" in Köln genommen: Am 3. Februar 1965 stellte der damalige Erzbischof von Köln, Kardinal Frings" ihnen den Kölner Dom zur Verfügung, damit sie "ihren Fastenmonat Ramadan würdig feiern können". Heute stehen Muslimen in Deutschland rund 2.000 Moscheen6 zur Verfügung, von denen viele nur klein und nicht in repräsentativen Gebäuden untergebracht sind. Sie werden von Moscheevereinen getragen7, die mit christlichen Kirchengemeinden vergleichbar sind und wie diese soziale Einrichtungen betreiben8. Köln ist heute die Stadt, in der nach Berlin die meisten türkischstämmigen Einwohner lebenüber 75.000 Menschen waren es Ende des Jahres 2000. Fünf der insgesamt sechs wichtigsten religiösen Dachverbände der Muslime in Deutschland haben hier ihren Sitz. Den über 80.000 in Köln lebenden Muslimen stehen um die 30 Moscheen zur Verfügung, außerdem gibt es eine Medrese9 genannte islamische religiöse Lehranstalt.

Streng religiöse Muslime sind aufgrund ihrer Kleidung äußerlich leicht zu erkennen und müssen deshalb bisweilen negative Erfahrungen machen. Die gesetzlich garantierte Religionsfreiheit schützt nicht vor Diskriminierungen, etwa in der Schule oder im Beruf. Ein Beispiel für Missverständnisse, welche die Ausübung des Islam in Deutschland für viele Menschen erschweren, ist die Tatsache, dass viele muslimische Frauen Kopftücher tragen. Ihr Anblick ist für manche Nicht-Muslime ein Symbol des Fremden und der Unterdrückung der Frau im Islam. Obgleich es vorkommt, dass Frauen zur Verschleierung gezwungen werden, trägt die überwiegende Mehrzahl von ihnen es jedoch als Teil der islamischen Bekleidungsvorschriften11 freiwillig. Praktizierende muslimische Frauen12 wollen zeigen, dass sie sich dem Islam verbunden fühlen und nach den Regeln des Korans (in dem das Tragen einer Verschleierung10 nicht vorgeschrieben ist) und der Sunna (= Tradition, Brauch) leben. So könnte man das Kopftuch mit dem Tragen des Kreuz-Symbols eines gläubigen Christen vergleichen.

Der Umgang mit der Verschleierung wird in muslimischen Ländern unterschiedlich gehandhabt13. So ist sie in Saudi-Arabien und im Iran Gesetz, während es in der Türkei sogar ein Kopftuchverbot in öffentlichen Einrichtungen wie Schulen, Universitäten, Parlamenten oder Behörden gibt. Zudem wurde im September 2001 das Verbot, ein Kopftuch zu tragen, vom türkischen Erziehungsministerium auf private Bildungseinrichtungen ausgedehnt. Im Fall der Verschleierung profitieren türkische Muslime von der deutschen Gesetzgebung, die liberaler ist als die in ihrem Herkunftsland. Das Recht, ein Kopftuch zu tragen, gilt allerdings nicht uneingeschränkt: 1998 wurde eine deutsche Lehrerin islamischen Glaubens nicht in den Schuldienst übernommen, weil sie auf das Tragen eines Kopftuches während des Unterrichtens nicht verzichten wollte. Dieses Urteil, das für viele im Widerspruch zur Religionsfreiheit steht, wurde in der deutschen Öffentlichkeit kontrovers diskutiert.

Ein weiteres Beispiel dafür, dass Migranten anderer Religionen die Religionsfreiheit in Deutschland für sich nutzen können, ist der Bau des größten hinduistischen Tempels14 Europas im Ruhrgebiet, der im Juli des Jahres 2002 eröffnet war. Den ca. 60.000 in Deutschland lebenden Hindus, bei denen es sich zu einem großen Teil um tamilische15 Bürgerkriegsflüchtlinge16 handelt, stehen schon heute mehrere kleinere Tempel zur Verfügung.

Die Existenz verschiedener Religionen kann eine Bereicherung für die deutsche Gesellschaft bedeuten. Dennoch ist es vielen Deutschen unangenehm, eine Moschee oder einen Tempel in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft zu haben. Auch nach Jahrzehnten des Zusammenlebens begegnet man dem Fremden noch oft mit Vorurteilen17. Sie können nur abgebaut werden, wenn durch die gegenseitige Kenntnis des "Anderen" Verständnis erwächst, das den Abbau von Vorurteilen18 fördert.

Erläuterungen zum Text 7
1) sich zu einer Religion bekennen - исповедовать какую-л. религию
2) Ausübung einer Religion - исполнение религиозных традиций
3) Rücksichtnahme (f) - внимание, уважение; тактичность; внимательное [предупредительное] отношение; Rucksicht nehmen - считаться с чем-л.
4) Fastenmonat (m) - месяц поста
5) Einbruch der Dunkelheit - наступление темноты
6) Moschee (f) - мечеть
7) sie werden von Moscheevereinen getragen - их поддерживают (финансируют) объединения мечетей
8) soziale Einrichtungen betreiben - заниматься социальным обеспечением
9) Medrese (f) - медресе, высшая мусульманская духовная школа
10) Verschleierung (f) - ношение чадры (паранджи)
11) Bekleidungsvorschrift (f) - предписания по ношению одежды
12) praktizierende Frauen - работающие женщины
13) handhaben - обращаться, пользоваться; Der Umgang mit der Verschleierung wird in muslimischen Landern unterschiedlich gehandhabt - В исламских странах по-разному относятся к ношению чадры.
14) hinduistischer Tempel - индуистский храм
15) tamilische - тамильские; Tamile (n) - тамил, представитель племени дравидов, живущих на юге Индии и на севере острова Шри-Ланка (бывш. Цейлон)
16) Bürgerkriegsflüchtlinge (pl) - беженцы, спасающиеся от гражданской войны и ее последствий
17) Vorurteil (n) - предрассудок, предубеждение
18) Abbau von Vorurteilen - борьба с предрассудками

Aufgaben zum Text 7

1. Beantworten Sie Fragen zum Text 7 (Absätze 1-3).
1) Was bringt Konflikte im Integrationsprozess mit sich?
2) Zu welcher Religion gehört die grösste Gruppe der Migranten?
3) Wodurch ist die Religionsfreiheit festgelegt?
4) In welchen Fällen wird die Religionsfreiheit eingeschränkt?
5) Wie verhält sich die Ford AG zum islamischen Fastenmonat Ramadan?
6) Was machte der Erzbischof (архиепископ) von Köln am 3. Februar 1965?
7) Wo leben die meisten türkischstämmigen Einwohner?
8) Was ist eine Medrese?
9) Was müssen die muslimischen Frauen tragen?
10) Womit könnte man das Kopftuch vergleichen?

2. Bestimmen Sie grammatische Form und übersetzen Sie die Sätze ins Russische. Formen Sie diese Sätze in Relativsätze um.

1) Im über 50 Jahre alten deutschen Grundgesetz ist festgelegt, dass jeder Mensch eine Religion haben und sich öffentlich zu ihr bekennen1 darf.
2) Den über 80000 in Köln lebenden Muslimen stehen 30 Moscheen zur Verfügung.

3. Ergänzen Sie die Sätze mit Fragewörtern (Absätze 4-6). Wählen Sie passende Fragewörter aus (wo, worüber, welche, wie, wieviel, warum, ob).

1) Sagen Sie mir bitte, ... ist die Verschleierung ein Gesetz?
2) Ich hätte gern gewußt, ... es mit Kopftuchverbot in der Türkei sei?
3) Könnten Sie mir sagen, ... in der deutschen Öffentlichkeit diskutiert wurde?
4) Es wäre interessant zu wissen, ... andere Religionen die Migranten in Deutschland ausüben?
5) Ich weiss nicht, ... der größte hinduistische Tempel gebaut wurde.
6) Würden Sie mir bitte sagen, ... Hindus in Deutschland leben?
7) Könnten Sie mir erklären, ... die Existenz verschiedener Religionen eine Bereicherung für Deutschland bedeutet?
8) Ich möchte wissen, ... man dem Freunden noch mit Vorurteilen begegnet?

TEST

4. Betiteln Sie den Absatz 2 und 3. Schreiben Sie einen Plan zu diesen Absätzen. Sprechen Sie dem Plan nach.

5. Führen Sie die Diskussion zum Thema "Religionsfreiheit". Benutzen Sie dabei folgende Stichworte und Redemittel.

Stichworte
Jeder Mensch bekennt sich zur Religion.
Religionsfreiheit.
Islamische Fastenmonat Ramadan.
Moscheen in Deutschland. Vergleich mit christlichen Kirchengemeinden. Köln, Berlin.
Medrese als Lehranstalt.
Bekleidungsvorschriften im Islam.
Das Tragen einer Verschleierung.
Verschiedene Religionen: Ist es eine Bereicherung für die deutsche Gesellschaft?

Redemittel
Ich möchte mitteilen ...
Meiner Meinung nach ...
Ich bin anderer Meinung und zwar ...
Ich möchte betonen ...
Es ist wichtig zu sagen, dass ...
Was meinen Sie dazu? Was meinst du dazu?
Ich bin dafür, dass ...
Es ist doch sehr wichtig zu betonen, dass ...

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LEKTION 8

Mehr Rechte für Migranten durch das neue Staatsangehörigkeitsrecht

Vorübungen zum Text 8

1. Sprechen Sie mit richtiger Betonung folgende Zusammensetzungen:

Lebensbedingungen, Wohnverhältnisse, Staatsbürgerschaft, Wahlrecht, Staatsangehörigkeitsrecht, Schullaufbahn, Rechtsordnung, Arbeitslosenhilfe, Staatsangehörige, Erwachsenenalter, Einbürgerungsquote, Gesetzänderung, Mitbestimmung, Willensbildung, Gesetzesänderung,

Lesen Sie den Text 8 und machen Sie die Aufgaben zum Text.

Text 8

Mehr Rechte für Migranten durch das neue Staatsangehörigkeitsrecht

Die Zufriedenheit mit den persönlichen Lebensbedingungen - seien es Wohnverhält­nisse, berufliche Chancen oder kulturelles Angebot - ist ein wichtiger Gradmesser für die Bereitschaft und Möglichkeit zur Integration. Dementsprechend haben Ausländer, die in Deutschland bleiben wollen oder die deutsche Staatsbürgerschaft haben, oft ein größeres Interesse am öffentlichen Leben, als diejenigen, die sich als Gast fühlen.

Ausländer haben einen schwächeren rechtlichen Status als Deutsche, beispielsweise haben sie kein Wahlrecht1. Generell ist es für Menschen, die nicht aus der EU stam­men, kompliziert, in Deutschland zu wohnen und zu arbeiten. Seit dem 1.1.2000 gibt es ein neues Staatsangehörigkeitsrecht2, das mindestens seit acht Jahren in Deutschland lebenden Ausländern die Erlangung der deutschen Staatsangehörigkeit erleichtert. Es soll die gesellschaftliche Wirklichkeit, in der viele Ausländer in Deutschland geboren sind, eine Schullaufbahn absolviert haben, arbeiten und bleiben wollen, mit dem Recht verbinden. Menschen, die faktisch zur deutschen Gesellschaft gehören, sollen nicht nur die gleichen Pflichten, sondern auch gleiche Rechte haben wie Deutsche. Im Gegenzug müssen Migranten die deutsche Verfassung und Rechtsordnung achten und die deutsche Sprache erlernen. Um Deutsche werden zu können, dürfen sie außerdem keine Sozial- oder Arbeitslosenhilfe beziehen3 und nicht vorbestraft sein.

Nach dem neuen Recht erhalten in Deutschland geborene Kinder ausländischer Eltern, von denen ein Elternteil seitmindestens acht Jahren in Deutschland lebt, neben der Staatsangehörigkeit ihrer Eltern auch die deutsche. Erst im Erwachsenenalter müssen sie sich für eine der Staatsbürgerschaften entscheiden.

Im letzten Viertel des 20. Jahrhunderts sind nur 750.000 ehemalige Ausländer in Deutschland eingebürgert4 worden, 1998 waren türkische Staatsangehörige mit 56 Prozent die größte Gruppe. Diese im Vergleich zu anderen EU-Staaten sehr niedrige Einbürgerungsquote5 soll durch die Gesetzesänderung erhöht werden, damit nicht ein immer größer werdender Teil der Bevölkerung von gesellschaftlicher Mitbestimmung6 und politischer Willensbildung7 ausgeschlossen ist. Einbürgerung ist zwar keine Garantie für erfolgreiche Integration, aber sie erleichtert sie.

Erläuterungen zum Text 8
1) Wahlrecht (n) - избирательное право
2) Staatsangehörigkeitsrecht (n) - совокупность правовых норм, регулирующих вопросы гражданства
3) Sozial- oder Arbeitslosenhilfe beziehen - получать социальное пособие или пособие по безработице
4) eingebürgert werden - получить гражданство
5) Einbürgerungsquote (f) - квота на получение гражданства
6) gesellschaftliche Mitbestimmung - участие в принятии решений, касающихся общества
7) politische Willensbildung - политическое волеизъявление

Aufgaben zum Text 8

1. Beantworten Sie Fragen zum Text 8.
1) Was ist ein wichtiger Gradmesser für die Bereitschaft zur Integration?
2) Seit wann gibt es ein neues Staatsangehorigkeitsrecht?
3) Wie lange müssen die Ausländer in Deutschland leben, um das Staatsangehörigkeitsrecht zu erlangen?
4) Was müssen die Migranten in der Gesellschaft achten?
5) Wofür müssen sie sich im Erwachsenenalter entscheiden?
6) Wodurch soll die niedrige Einbürgerungsquote erhöht werden?
7) Wovon bleibt ein Teil der Bevölkerung ausgeschlossen?

2. Suchen Sie im Text Satze mit erweitertem Attribut.

3. Fuhren Sie die Satze zu Ende dem Inhalt des Textes nach.
Ausländer haben einen schwächeren ...
Menschen, die faktisch zur deutschen Gesellschaft gehören, ...
Um Deutsche werden zu können, dürfen sie ...
Erst im Erwachsenenalter müssen sie ...

TEST

4. Betiteln Sie jeden Absatz des Textes und referieren Sie den Text. Gebrauchen Sie folgende Redemittel:

Es handelt sich um ...
Die Rede ist von ...
Der Autor meint, dass ...

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LEKTION 9

Integration als Herausforderung für die Zukunft

Vorübungen zum Text 9

1. Sprechen Sie mit richtiger Betonung folgende Zusammensetzungen:
Diskussionsrunde, Kindergarten, Grundschule, Alltagsleben, Gemeinsamkeit, Herkunftslander, Gleichberechtigung, Mehrheitsgesellschaft

Lesen Sie den Text 9 und machen Sie die Aufgaben zum Text. Text 9 Integration als Herausforderung für die Zukunft

Migration von Ausländern nach Deutschland ist allein aus praktischen Gründen eine Notwendigkeit. Die niedrige Geburtenrate1 bewirkt einen starken Rückgang der deutschen Bevölkerung, die Schätzungen des Statistischen Bundesamtes zufolge ohne Zuwanderung von heute 82 Millionen auf 59 Millionen im Jahr 2050 zurückgehen würde. Dadurch würden sich wirtschaftliche Probleme ergeben, und auch das System der sozialen Sicherung könnte nicht wie gehabt fortbestehen. Weil Einwande­rung also unabdingbar ist2, ist es umso wichtiger, dass die Deutschen Migranten als Teil der Gesellschaft anerkennen und dazu beitragen, sie einzugliedern. Um dieses Ziel zu fördern, hat Bundespräsident Johannes Rau Ende Januar des Jahres 2002 einen "Wettbewerb zur Integration von Zuwanderern" eröffnet. Gruppen und Initiativen, die sich aktiv für die Integration einsetzen, werden so zu besonderem Engage­ment ermuntert. In vielen deutschen Städten gibt es Projekte, die einen praktischen Beitrag zur Integration leisten. Schon eine Diskussionsrunde3 mit Pfarrer, Rabbiner und muslimischem Geistlichen kann Ängste abbauen - die Möglichkeiten des gegenseitigen Kennenlernens sind vielfältig. In vielen Kindergärten und Grundschulen werden bereits die Kulturen ausländischer Kinder mit in das Alltagsleben einbezogen. Auf gemeinsamen Festen kann man bei fremden Speisen und Tänzen ins Gespräch kommen und so kulturelle Unterschiede, aber auch Gemeinsamkeiten kennen lernen.

Die deutsche Gesellschaft ist wie andere moderne europäische Gesellschaften nicht homogen: das Zusammenleben von Menschen aus unterschiedlichen Herkunftsländern ist zwar manchmal noch problembehaftet5, aber doch alltäglich geworden. Damit eine bessere Integration von Migranten in die deutsche Gesellschaft möglich wird, ist es wichtig, als fremd oder "anders" empfundene Kulturen und Menschen kennen zu lernen: gegenseitige Kenntnis fördert Akzeptanz, aus der Verständnis entstehen kann. Deutsch als gemeinsame Sprache ist dabei ein wichtiges Medium.

Eine große Aufgabe, die nicht nur Deutschen und in Deutschland lebenden Ausländern, sondern auch Bürgern der anderen EU-Länder bevorsteht, ist die Schaffung eines europäischen "Staates". Die Herausforderung ist, dass unterschiedliche Interessen angemessen in einem System mit zahlreichen Menschen aus verschiedenen Kulturen vereinigt werden müssen. Für ein gutes Zusammenleben werden Toleranz und Gleichberechtigung immer wichtiger. Durch die Integration aller Europäer in ein neues System fällt vielleicht die Erkenntnis leichter, dass Einwanderer nicht notwendigerweise ihren kulturellen Hintergrund aufgeben müssen, denn Integration bedeutet nicht kulturelle Assimilation. Vielmehr ist es gerade die Bewahrung kultureller Eigenheiten6, die der Mehrheitsgesellschaft wichtige Impulse geben kann.

Erläuterungen zum Text 9
1) niedrige Geburtenrate (f) - низкий уровень рождаемости
2) unabdingbar sein - быть обязательным
3) Diskussionsrunde (f) - проведение дискуссии
4) in das Alltagsleben einbeziehen - вовлечь в повседневную жизнь
5) problembehaftet sein - быть насыщенным проблемами
6) kulturelle Eigenheiten - культурные особенности (своеобразие)

Aufgaben zum Text 9

1. Beantworten Sie Fragen zum Text 9.
1) Was bewirkt einen starken Ruckgang der deutschen Bevölkerung?
2) Was hat der Bundespüräsident Johannes Rau im Januar des Jahres 2002 eröffnet?
3) Was war die Aufgabe dieses "Wettbewerbs"?
4) Was für ein Projekt gab es damals in vielen deutschen Städten?
5) Was wurde auf gemeinsamen Festen unternommen?
6) Was ist wichtig für bessere Integration von Migranten?
7) Was ist von Bedeutung für ein gutes Zusammenleben verschiedener Nationen?
8) Was bedeutet die Integration für Migranten?

2. Stellen Sie Fragen zu den angeführten Sätzen. Gebrauchen Sie Pronominaladverbien als Fragewörter.
1) Gruppen und Initiativen, die sich für die Integration einsetzen, werden zum besonderen Engagement ermuntert.
2) In vielen deutschen Städten gibt es Projekte, die einen praktischen Beitrag zur Integration leisten.
3) Für viele Ausländer, die sich auch für andere Kulturen und Sitten interessieren, ist das Einleben in die Gesellschaft viel leichter.
4) Die deutsche Gesellschaft wartet auf schnellere und bessere Integration von Migranten.
5) Die Migranten, die aus unterschiedlichen Herkunftsländern kommen, sind an einem toleranten Zusammenleben interessiert.
6) Die Auslander sprechen über die Möglichkeit des gegenseitigen Kennenlernens und der Entwicklung der Toleranz unter den Jugendlichen.
7) Die Mehrheitsgesellschaft in Deutschland denkt sehr ernst an die Bewährung der kulturellen Eigenheiten in ihrem Kulturgut.

TEST

4. Bereiten Sie einen Vortrag zum Thema "Mehr Rechte für Migranten". Gebrauchen Sie dabei folgende Redemittel:
1) Ich möchte Sie heute über ... informieren.
2) Ich beginne mit ...
3) Wir betrachten folgende Probleme ...
4) Ich werde einige Bereiche ... behandeln.
5) Der Vortrag ist in einige Abschnitte gegliedert ...
6) Zum Schluß möochte ich ...

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LEKTION 10

Merkel fordert bessere Chancen für Ausländer

Vorübungen zum Text 10

1. Sprechen Sie mit richtiger Betonung folgende Zusammensetzungen:
Bildungschancen, Ausländerkinder, Erstklässler, Migrationshintergrund, Integrationsbeauftragte, Zuwandererfamilie, Leitgedanke

2. Merken Sie sich den Gebrauch von Konjunktiv I in der indirekten Rede.
1) Das Erwerben von Deutschkenntnissen sei noch vor der Einschulung sehr wichtig.
2) Im Alter von drei bis fünf Jahren könne manches "viel spielerischer aufgenommen werden".
3) Im Rahmen der Globalisierung müsse jeder am Nutzen des Fortschritts teilhaben.

Lesen Sie den Text 10 und machen Sie die Aufgaben zum Text.

Text 10

Die Integration der Migranten ist immer noch ein großes Problem für Deutschland. Die jüngste Stellungnahme der Bundesregierung zu diesem Problem erlautert die Bundeskanzlerin Dr. A.Merkel.

Merkel fordert bessere Chancen fur Auslander

Noch immer haben Ausländerkinder hierzulande schlechtere Bildungschancen. Jeder Erstklässler muss nach Ansicht der Bundeskanzlerin Merkel gut Deutsch konnen. Deshalb plädiert sie für einen Ausbau der vorschulischen Bildung

Teil I

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sieht in den schlechten Bildungschancen für Ausländerkinder eine Schwäche des deutschen Schulsystems. Hierzulande würden Bildungschancen von Kindern immer noch stark von der sozialen Herkunft abhängen, kritisierte Merkel bei einer Konferenz zu Integration und Bildung in Berlin. „Diese Abhängigkeit muss durchbrochen werden." Alle Kinder müssten "die gleichen Chancen auf Bildung, Schule, Hochschule und Beruf" haben, sagte Merkel: "Wir können auf kein einziges Talent verzichten." Die Kanzlerin wies darauf hin, dass inzwischen fast die Hälfte der Erstklässler1 in Deutschland einen Migrationshintergrund hat. Daher sei das Erlernen von Deutschkenntnissen schon vor der Einschulung2 enorm wichtig. "Jeder junge Mensch, der in die Schule kommt, muss natürlich den Lehrer verstehen", sagte die Kanzlerin. Sie plädierte3 für ein "durchlässiges Bildungssystem"3 und sprach sich für den Ausbau der vorschulischen Bildung aus. Im Alter von drei bis fünf Jahren könne manches "viel spielerischer aufgenommen werden".

Deutschland bei Integration zu zaghaft5

Zugleich betonte Merkel, dass die Millionen Zuwanderer in den letzten Jahrzehnten die Bundesrepublik stark verändert hätten, viele von ihnen im positiven Sinne. So gebe es allein unter den hier lebenden Türken rund 66.000 Selbstständige6, die jährlich einen Umsatz von rund 70 Milliarden Euro erwirtschafteten und rund 300.000 Jobs geschaffen hätten. Merkel räumte7 allerdings ein, dass der deutsche Staat über viele Jahre der Herausforderung der Integration zu zaghaft begegnet sei.

Die Integrationsbeauftragte8 der Bundesregierung, Staatsministerin Maria Böhmer (CDU), beklagte, dass in Deutschland zu viele Jugendliche aus Zuwandererfamilien die Schule ohne Abschluss verlassen und zu wenige Abitur machen. Sie und ihre Eltern, die oft schlecht Deutsch sprächen und nichts über das Bildungssystem wüssten, müssten besser gefördert9 werden. Gleiches gelte für die Lehrer, die für den Umgang mit Kindern aus Zuwandererfamilien qualifiziert werden müssten. Der Leitgedanke der Regierung laute auch in der Integrationspolitik "Fördern und Fordern"10, sagte sie. Böhmer begrüßte, dass mehr und mehr Stiftungen11 an der Integration mitwirken wollten und Geld mobilisierten.

Microsoft-Begründer Bill Gates12 betonte, dass im Rahmen der Globalisierung jeder am Nutzen des Fortschritts teilhaben müsse. Dies gelte13 vor allem für Migranten und Minderheiten, sagte Gates, der per Liveübertragung14 aus den USA zu der Berliner Konferenz zugeschaltet15 war. Gates hob zugleich die Bedeutung der Migration für den Erfolg von Wirtschaft und Forschung in den USA hervor.

Erläuterungen zum I. Teil des Textes 10
1) Erstklässler (m) - первоклассник
2) Einschulung (f) - поступление в школу
3) plädieren für Akk. - выступать за что-л., высказываться, предлагать
4) durchlässiges Bildungssystem - доступная система образования
5) zaghaft sein - робкий, боязливый, нерешительный
6) Selbstständige (m, f) -предприниматель малого и среднего бизнеса, лицо, работающее не по найму (в том числе лица свободных профессий)
7) einräumen - допускать что-л., соглашаться с чем-л.
8) Integrationsbeauftragte (m, f) - уполномоченный(-ная) по делам интеграции иностранцев
9) fördern - способствовать, содействовать (чему-л.); ускорять, двигать, продвигать, поощрять (что-л.)
10) "Fördern und Fordern" - "содействовать (помогать) и требовать"
11) Stiftung (f) - фонд на благотворительные (культурные) цели
12) Bill Gates - Билл Гейтс
13) gelten - относиться, считаться
14) Liveübertragung (f) - прямая трансляция
15) zur Konferenz zuschalten - подключить к телеконференции

Aufgaben zum I. Teil des Textes 10

1. Beantworten Sie Fragen zum Text 10.
1) Worin sieht die Bundeskanzlerin A. Merkel eine Schwäche des deutschen Schulsystems?
2) Welche Konferenz fand in Berlin statt?
3) Was ist für die Kinder noch vor der Einschulung wichtig?
4) Wofür plädierte die Kanzlerin?
5) Auf welche Weise haben die Zuwanderer die Bundesrepublik Deutschland verändert?
6) Wofür müssten die Lehrer qualifiziert werden?
7) Welche Meinung drückte Bill Gates an der Berliner Konferenz aus?
8) Was wurde in der Studie untersucht?
9) Welche Ergebnisse zeigt die Studie?
10) Wollen die meisten Befragten sich integrieren lassen?
11) Was sind zentrale Voraussetzungen für eine soziale Integration?
12) Auf welche Weise kann die Integration besser gelingen?

1. Suchen Sie im I. Teil des Textes Sätze mit Konjunktiv und übersetzen Sie sie ind Russische.

2. Führen Sie die Sätze bis zu Ende.
1) Bundeskanzlerin sieht in den schlechten Bildungschancen ...
2) Diese Abhängigkeit muss ...
3) Alle Kinder müssen die gleichen Chancen ...

3. Bilden Sie Fragesätze mit Fragewörtern und beantworten Sie sie. Gebrauchen Sie dabei folgende Verben mit Präpositionen:
abhängen von Dat., verzichten auf Akk., weisen auf Akk., plädieren für Akk.

4. Suchen Sie Sätze mit Konjunktiv und erklären Sie deren Gebrauch.

5. Suchen Sie Sätze mit Modalverb und Infinitiv Passiv, übersetzen Sie sie ins Russisch.

Geben Sie den Inhalt des Textes in Deutsch wieder.

Nehmen Sie Stellung zum Problem und erklären Sie deutsch "Bedeutung der Migration für die Wirtschaft".

Teil II

Milieu1 ist für Integration von Migranten verantwortlich

Zu interessanten Ergebnissen kommt derweil eine im Auftrag des Bundesfamilienministeriums erstellte Studie2, in der die Lebenswelten von Migranten untersucht wurden. Ihr zufolge ist nicht die ethnische Herkunft für die Integration von Migranten entscheidend, sondern vielmehr, welchem sozialen Milieu sich die Migranten zugehörig fühlen. "Die ethnische Herkunft beeinflusst zwar die Alltagskultur der Migranten, ist letztlich aber nicht identitätsstiftend", sagte der Staatssekretär im Familienministerium, bei der Vorstellung der Studie in Berlin. "Wertvorstellungen,3 Lebensstile und ästhetische Vorlieben4 - das sind die ,Klebstoffe'5."

Die Studie zeige auch, dass der Einfluss von religiösen Traditionen oft überschätzt werde. Für die Studie hatte das Heidelberger Institut "Sinus Sociovision" rund 100 mehrstündige Interviews mit Migranten verschiedener Altersgruppen und mit unterschiedlichem sozialen und ethnischen Hintergrund geführt. Acht verschiedene Milieus identifizierten die Forscher dabei: Vom typischen Gastarbeitermilieu, das den Traum von einer Rückkehr in die Heimat aufgegeben hat, über die gut integrierte "pragmatische Mitte" der Migrantenbevölkerung bis hin zur unangepassten zweiten Generation, die Probleme mit ihrer Identitä und keine Perspektive hat. Im Gegensatz zu den meisten anderen Milieus ist bei letzterem die Integrationsbereitschaft gering.

Integrationswille gegen Integrationsbereitschaft

Schwer mit der Integration tun sich laut Studie auch Flüchtlinge, die etwa durch Bürgerkrieg sozial und kulturell entwurzelt6 sind; bei ihnen komme häufig auch noch eine Traumatisierung hinzu. Am besten sind laut Studie jene integriert, die gut ausgebildet sind. Einwanderer aus Städten lassen sich zudem leichter integrieren als Migranten mit "archaischer, bäuerlich geprägter Herkunft".

Die meisten Befragten7 gaben an, sich integrieren zu wollen. Viele von ihnen beklagten8 allerdings eine "mangelnde Integrationsbereitschaft" der deutschen Gesellschaft und ein geringes Interesse an ihnen. Nur wenige hatten hingegen "belastende"9 Erfahrungen mit Diskriminierung gemacht.

Nicht entscheidend für die Integrationsbereitschaft ist der Studie zufolge die Frage, welcher Religion die Migranten angehören. So machte es bei Angehörigen des als "archaisch" und wenig integrationsbereit klassifizierten Migrantenmilieus keinen Unterschied, ob die Befragten Christen oder Muslime waren. Insgesamt waren die sozialen Unterschiede bei den Migranten weniger ausgeprägt als in der deutschen Bevölkerung. In Deutschland leben rund 15 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund. Die Hälfte von ihnen hat die deutsche Staatsbürgerschaft.

Je höher der Bildungsstand von Einwanderern ist, desto leichter gelingt ihre Eingliederung in die Gesellschaft. Dies ist das Ergebnis einer Studie über die soziale, kulturelle, ethnische und religiöse Herkunft von Menschen mit Migrationshintergrund im Auftrag des Bundesfamilienministeriums. „Migranten wollen sich integrieren, aber dabei ihre Wurzeln nicht vergessen", sagte Familien-Staatssekretär Gerd Hoofe bei der Vorstellung der Untersuchung10 in Berlin.

EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso betonte, Bildung und Arbeit seien zentrale Voraussetzungen für eine soziale Integration von Ausländern. Er beklagte, dass es EU-weit unter Migrantenkindern überdurchschnittlich viele Schulabbrecher11 gebe und viele von ihnen sich sogar schlechter integriert fühlten als die Generation ihrer Eltern. Als Hauptgrund dafür identifizierte er die hohe Arbeitslosigkeit unter ihnen. Gelinge die Integration nicht besser, steige auch die Gefahr von Terrorismus und Kriminalität, warnte12 der Kommissionspräsident.

In vielen Sektoren der Wirtschaft fehlten Fachkräfte. Qualifizierte Zuwanderer fanden aber in anderen Staaten oftmals ein offeneres Klima als in Deutschland. Viele Begabte13 ziehen weiter, an Deutschland vorbei.14. Es wurde vorgeschlagen, den Zugang zu deutschen Universitäten nicht allein vom Abitur abhängig zu machen, denn dies benachteilige gerade Menschen mit Migrationshintergrund.

Erläuterungen zum II. Teil des Textes 10
1) Milieu (n) - среда
2) Studie (f) - исследование (зд. социологическое)
3) Wertvorstellung (f) - ценностные представления
4) ästhetische Vorlieben - эстетические предпочтения
5) Klebstoff (m) - связующее звено
6) entwurzelt - вырванный с корнем, оторванный, отторгнутый (от чего-л.); потерявший связь (с чем-л.)
7) Befragte (m, f) - респондент
8) sich beklagen - жаловаться (на что-л.)
9) belastend - отягчающий
10) Untersuchung (f) - исследование (зд. социологическое)
11) Schulabbrecher (m) - бросивший учебу в школе
12) warnen vor Dat. - предостерегать, предупреждать
13) Begabte (m, f) - талантливый, одаренный человек
14) ziehen … an Deutschland vorbei - не остаются в Германии

Aufgaben zum II. Teil des Textes 10

1. Beantworten Sie die Fragen zum Text.
1) Was wird in der Studie untersucht?
2) Was beeinflusst die ethnische Herkunft der Migranten?
3) Was war noch in der Studie dargestellt?
4) Was identifizierten die Forscher in der Studie?
5) Welche Migranten integrieren sich leicht?
6) Ist die Religion wichtig für Integrationsbereitschaft?
7) Was sind zentrale Voraussetzungen für eine erfolgreiche soziale Integration?

2. Suchen Sie im II. Teil des Textes 10 Sätze mit erweitertem Attribut und formen Sie sie in Relativsätze um.

2. Führen Sie die Sätze zu Ende.
1) Die ethnische Herkunft beeinflusst ...
2) Die Studie zeigte auch...
3) Für die Studie hatte ...
4) Voll verschiedene Millieus identifizierten die Forscher ...
5) Im Gegensatz zu den meisten ...

3. Begründen Sie mündlich, warum Millieu von Migranten fur Integration verantwortlich ist.

TEST

5. Übersetzen Sie den Text "Integrationswille gegen Integrationsbereitschaft" und geben Sie russisch die Hauptidee wieder.

Aufgaben zum I. und II. Teilen des Textes 10

1. Führen Sie die Sätze zu Ende dem Inhalt des Textes nach.
1) Alle Kinder müssten ...
2) Jeder junge Mensch, der in die Schule kommt, ...
3) Im Alter von drei bis fünf Jahren ...
4) Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung beklagte ...
5) Die Studie zeige auch ...
6) In Deutschland leben ...

2. Bitte ergänzen Sie die Sätze mit dem Fragewort (wofur, was, worauf u.a.) und beantworten Sie die Fragen.
1) ... plädiert A.Merkel in der Konferenz?
2) ... sieht die Bundeskanzlerin in den schlechten Bildungschancen?
3) ... betonte die Kanzlerin in ihrer Rede?
4) ... wie die Kanzlerin?
5) ... ist vor der Einschulung enorm wichtig?
6) ... verlassen die Jugendlichen die Schule ohne Abschluss?
7) ... betonte Microsoft-Begrunder Bill Gates?

3. Nehmen Sie Stellung zum Thema "Warum ist Millieu für Integration von Migranten verantwortlich?".

4. Schreiben Sie einen Plan zum Text und erzählen Sie den Text dem Plan nach. Begründen Sie, warum die Integration nicht immer gelingt?

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LEKTION 11

EU: Informelles EU-Ministertreffen zur Einwanderungspolitik

Vorübungen zum Text 11а

1. Sprechen Sie mit richtiger Betonung folgende Zusammensetzungen:
Bundesbildungsministerium, Integrationsbeauftragte, Ausbildungsforderung, Bafög - Bundesausbildungsförderungsgesetz, Aufenthaltsberechtigung, Arbeitslosengeld, Ausbildungsregelung, Bildungshürde

Text 11a

EU: Informelles EU-Ministertreffen zur Einwanderungspolitik

An diesem EU-Ministertreffen wurden wichtige Maßnahmen für den Ausbau der Bildungschancen von Migranten angeboten.

Vom 14. bis zum 16.01.07 fand in Dresden ein informelles Ministertreffen der Europäischen Union (EU) im Rahmen der deutschen EU-Ratspräsidentschaft1 statt. Die Innen- und Justizminister konferierten dabei auch über migrationspolitische Fragen: Zum Auftakt des Treffens wurde bereits eine mögliche Harmonisierung der Integrationsmaßnahmen auf EU-Ebene thematisiert.

Bundesregierung will mehr Migranten eine Bafög2-Förderung ermöglichen

Das Bundesbildungsministerium3 (BMBF) und die Integrationsbeauftragte des Bundes, Maria Böhmer (CDU), stellten bei der Hohenheimer Tagung zum Ausländerrecht am 27.01.07 in Stuttgart einen Gesetzesentwurf4 vor, der mehr Zuwanderern in Deutschland eine Ausbildungsförderung über das Bafög ermöglichen soll. In Deutschland wohnende ausländische Studenten, Schüler und Lehrlinge sollen demnach eine Förderung erhalten können, selbst wenn sie nur eine befristete Aufenthaltsberechtigung5 haben. Laut Böhmer könnten zurzeit viele Ausländer keine Ausbildung beginnen, weil sie kein Bafög bekämen. Ferner bevorzugten manche, Arbeitslosengeld6 zu beziehen statt eine Ausbildung anzunehmen, da die Bezüge teilweise höher lägen als die Ausbildungsvergütung7. Mit dem Gesetz werde eine wichtige Bildungshürde für Migranten beseitigt8, so Böhmer. Bildungsministerin Anette Schavan (CDU) möchte den Gesetzesentwurf Mitte Februar ins Kabinett einbringen.

Erläuterungen zum Text 11a
1) deutsche EU-Ratspräsidentschaft - председательство Германии в Совете Европы
2) Bafög = Bundesausbildungsförderungsgesetz - Федеральный закон о содействии обучению (регулирует порядок предоставления кредитов и ссуд учащимся, которые должны возвращаться государству после окончания обучения)
3) Bundesbildungsministerium (n) - Федеральное министерство образования
4) Gesetzesentwurf (m) - проект закона
5) befristete Aufenthaltsberechtigung - разрешение на проживание, ограниченное определенным сроком
6) Arbeitslosengeld (n) - пособие по безработице в рамках страхования по безработице (выплачивается лицам, находящимся в процессе поиска рабочего места)
7) Ausbildungsvergütung (f) - оплата труда в период производственного обучения
8) Bildungshürde beseitigen - устранять барьеры в получении образования

Aufgaben zum Text 11a

1. Beantworten Sie Fragen zum Text 11a.
1) Was ermöglicht das Bafög?
2) Wer kann die Förderung zum Studium erhalten?
3) Was bevorzugten manche Migranten?

1) Beschreiben Sie bitte, worin unterscheidet sich Bafög in Deutschland vom Stipendium in Russland.

Vorübungen zum Text 11b

1. Sprechen Sie mit richtiger Betonung folgende Zusammensetzungen:
Carl-Ossietzky-Universität, Aufenthaltsstatus, Herkunftsländer, Eingliederungskurse, Zuwanderungsgesetz, Migrationshintergrund

Text 11b

Neuer Studiengang für Migranten an der Universität Oldenburg

Seit dem Wintersemester 2006/2007 bietet die Oldenburger Carl-Ossietzky-Universität1 einen neuen Studiengang2 an: "Interkulturelle Bildung und Beratung". Hochqualifizierte Migranten, deren Abschlüsse in Deutschland nicht anerkannt3 werden, sollen damit die Chance erhalten qualifizierte Berufe ergreifen zu können. Der auf vier Semester verkürzte Studiengang wendet sich an Zuwanderinnen mit dauerhaftem Aufenthaltsstatus4, die bereits über pädagogische Studienanteile aus ihren Herkunftsländern verfügen und zwei Jahre Praxiserfahrung5 nachweisen können. Das Studium schließt mit dem international anerkannten Abschluss "Bachelor of Arts"6 ab. Unterstützt wird das neue Angebot vom EU-Flüchtlingsfond und vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF). Die Kapazitäten sind bisher auf vierundzwanzig Teilnehmer beschränkt, obgleich große Nachfrage besteht. Professor Dr. Rolf Meinhardt, Leiter des Studiengangs, erklärte die Absolventen seien besonders geeignet, Eingliederungskurse zu leiten7, wie sie das Zuwanderungsgesetz vorsehe. Aber auch andere Berufe, bei denen es auf die Kenntnis verschiedener Sprachen und Kulturen ankomme, seien prädestinierte Arbeitsbereiche8. Meinhardt betonte, ein Migrationshintergrund sei ein Kapital mit dem Zuwanderer arbeiten könnten und eines, das die deutsche Gesellschaft dringend brauche. FR 16.01.07// Pressemitteilung Carl-Ossietzky-Universität Oldenburg 12.12.06

Erläuterungen zum Text 11b
1) Carl-Ossietzky-Universität - университет им. Карла Осецкого. Карл фон Осе?цкий (1889-1938) - радикальный немецкий пацифист и лауреат Нобелевской премии мира 1935 года. В 1931 году он был обвинён в государственной измене за публикацию материалов о нарушении Германией Версальского договора о создании немецких вооруженных сил. Осецкий был журналистом, писавшим о театре, феминизме и моторизации. Он был противником политики милитаризации Германии. Он был ненавистен Гитлеру. Скончался в тюрьме от туберкулеза.
2) Studiengang (m) - специальность, специализация
3) Abschluss nicht anerkennen - не признавать диплом об образовании
4) dauerhafter Aufenthaltsstatus - разрешение на постоянное проживание (в Германии)
5) Praxiserfahrung (f) nachweisen - подтверждать практический опыт
6) "Bachelor of Arts" (англ.) - бакалавр искусств (обладатель степени бакалавра по одной из гуманитарных или математических наук в университетах)
7) Eingliederungskurse leiten - вести курсы, оказывающие помощь в интеграции в общество
8) prädestinierte Arbeitsbereiche - другие необходимые сферы деятельности

Aufgaben zu den Texten
1. Beantworten Sie Fragen zu den Texten .

1) Wann fand das Ministertreffen statt?
2) In welchem Rahmen fand dieses Treffen statt?
3) Welches Gesetzentwurf wurde vorgestellt?
4) Worüber wird die Ausbildungsförderung für die Migranten ermoglicht?
5) Was wurde mit dem Bafög-Gesetz beseitigt?
6) Was bietet die Oldenburger Carl-Ossietzky-Universität an?
7) Welche Chancen erhalten die Migranten an diesem Studiengang?
8) Womit schließt das Studium?
9) Von wem wird das Studium unterstützt?
10) Wieviel Teilnehmer nehen an diesem Studiengang teil?
11) Wozu seien die Absolventen besonders geeignet?
12) Über welche Kenntnisse sollen die Absolventen verfügen, um in anderen Arbeitsbereichen tätig zu sein?

TEST

1. Begründen Sie die Notwendigkeit des Studienganges "Interkulturelle Bildung und Beratung" für Deutschland.

2. Äußern Sie Ihre Meinung zum Thema: "Wäre so ein Studiengang an den Universitäten in Russland von Bedeutung? Wenn ja, dann an welchen?"

Text 11c

Bund beschließt 150 Maßnahmen zur Integration

Ein umfangreiches Maßnahmenpaket zur besseren Eingliederung von Migranten hat der Bundestag im Rahmen des Nationalen Integrationsplanes verabschiedet. Insbesondere Deutschkenntnisse sollen durch die Förderung besser vermittelt werden.

Das Bundeskabinett hat rund 150 Maßnahmen zum Nationalen Integrationsplan verabschiedet. Mit dem Beschluss des Kabinetts sind die Maßnahmen verbindlich. WELT ONLINE stellt die interessantesten Initiativen und Selbstverpflichtungen von Bund, Ländern, Kommunen, Bürgergesellschaft, Medien und Wirtschaft vor.

Integrationskurse:Das Stundenkontingent wird von 600 auf 900 Stunden aufgestockt. Die Kurse werden mit Arbeitsagenturen, Jugendmigrationsdiensten und örtlicher Wirtschaft vernetzt. Spezielle Angebote sind für Analphabeten, Jugendliche und Mütter geplant, auch eine Kinderbetreuung während der Kurse soll es geben.

Sprachförderung: Die berufsbezogene Deutschförderung für Migranten wird ausgeweitet. Ein Konzept zur Sprachförderung und ein Verfahren zur Sprachstandsfeststellung in Kindertagesstätten werden entwickelt.

Bildungspaten: Es wird ein bundesweites Netzwerk für Bildungspaten gestartet, das Kinder und Jugendlichen mit Migrationshintergrund in Schule und Ausbildung unterstützt.

Schulabbrecher: Das Modellprogramm "Schulverweigerung - Die 2. Chance" will Schulverweigerer mit Migrationshintergrund wieder in die Schulen integrieren.

Ausbildungspakt: Bundesregierung und Wirtschaft arbeiten zusammen am "Sonderprogramm zur Einstiegsqualifizierung Jugendlicher", das auf 40000 Plätze aufgestockt wird, und an der Initiative "Aktiv für Ausbildungsplätze", die in Zusammenarbeit mit der DIHK1 und Wirtschaftsverbänden bis 2010 bis zu 10000 zusätzliche Ausbildungsplätze in Unternehmen mit Inhabern ausländischer Herkunft schaffen will.

Finanzielle Unterstützung: BAföG und Berufsausbildungsbeihilfen sollen besonders für Jugendliche mit Aufenthaltsrecht leichter zugänglich gemacht werden.

Wirtschaftsinitiative: Eine "Charta der Vielfalt", der rund 100 Unternehmen angehören, hilft bei der Einstellung und Förderung von ausländischen Mitarbeitern.

Gegen Zwangsverheiratung: Eine Onlineberatung für Betroffene wird eingerichtet, Zufluchtstätten werden unterstützt.

Eltern-Bildungsoffensive: Die Türkische Gemeinde in Deutschland startet ein Programm, um türkische Eltern zu qualifizieren, ihre Kinder in Schule und Ausbildung stärker zu unterstützen.

Kulturmittler: Das Begegnungs- und Fortbildungszentrum muslimischer Frauen e.V. in Köln bietet Vermittler in Fällen häuslicher Gewalt an.

Leseförderung: Die Stiftung Lesen bietet Eltern und Großeltern spezielle Vorlesehefte für ausländische Eltern und Kinder zum gemeinsamen Deutschlernen an. Ehrenamtliche Lesepaten und Leseclubs fördern Sprach- und Leseverständnis von Kinder und Jugendlichen.

Integration durch Sport: Der Deutsche Olympische Sportbund qualifiziert im Rahmen des Programms "Integration durch Sport" besonders Multiplikatoren mit Migrationshintergrund. Schon im Sommer 2006 hat man drei Integrationsbotschafterinnen benannt und entwickelt seitdem spezielle Angebote in Sportarten, die von Migranten bevorzugt werden.

Fußball zur Integration: Der Deutsche Fußball-Bund plant den Aufbau eines Netzwerkes "Integration", um lokale fußballerische Integrationsprojekte zu koordinieren und fördert zusammen mit der Bundesregierung mit 300000 Euro das Modellprojekt "Am Ball bleiben - Fußball gegen Rassismus und Diskriminierung".

Medienunterstützung: Das ARD hat sich das Ziel gesetzt, den Alltag der Menschen aus Zuwandererfamilien als Teil der gesellschaftlichen Normalität abzubilden und dabei die Chancen einer kulturell vielfältigen Gesellschaft glaubwürdig zu vermitteln. Das Thema Islam spielt eine große Rolle - so plant das WDR eine zweitägige Sendung zum Ende des Ramadan; der SWR veröffentlicht ein "Islamische; Wort" im Internet. Das ZDF hat mit dem "Forum zum Freitag" bereits eine Internet-Dialogplattform zur interkulturellen Verständigung eingerichtet. Die CIVIS Medienstiftung für Integration und kulturelle Vielfalt wiederum wird einen neuen Fernsehpreis für betriebliche Integration von Einwanderern ausloben.

Erläterungen zum Text 11c
1) DIHT (Deutscher Industrie- und Handelstag) - Германский конгресс торгово-промышленных палат
2) e.V. (eingetragener Verein) - зарегистрированный союз, зарегистрированное общество
3) ARD (n) (Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland) - Объединение публично-правовых радиостанций ФРГ (название одного из каналов телевидения ФРГ)
4) WDR (n) (Westdeutscher Rundfunk) - Западногерманское радио
5) ZDF (n) (Zweites Deutsches Fernsehen) - Второе Германское телевидение (канал телевидения ФРГ)
6) CIVIS (или Civis) - фонд масс-медиа, основанный в 1987 г. специально для освещения вопросов интеграции. Поддерживается Европарламентом и Европейским агентством по правам человека.

Aufgaben zum Text 11c

1. Beantworten Sie Fragen zum Text.
1) Was hat das Bundeskabinett verabschiedet?
2) Welche Bedeutung haben die Integrationskurse?
3) Was wird im Rahmen der Sprachförderung entwickelt?
4) Woran arbeiten Bundesregierung und Wirtschaft zusammen?
5) Welches Programm startet die türkische Gemeinde?
6) Was bedeutet das Programm "Integration durch Sport"?
7) Worin besteht die Medienunterstützung?
8) Welche Rolle spielt das Thema "Islam" in den Medien?

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LEKTION 12

Dialog der Kulturen. Viele Kulturen - eine Sprache

Vorübungen zum Text 12a

1. Sprechen Sie folgende Zusammensetzungen richtig aus:
Arbeitsmigration, Literaturstandort, Gastarbeiterliteratur, Migrantenliteratur, Verallgemeinerung, Sprachwechsel, Nationalitätswechsel, Literaturforschung, Exilliteratur, Aufenthaltsort, neuentstehend, multikulturell, unabhängig

Text 12a

Literaturen von Migranten

Im Zusammenhang mit der Arbeitsmigration nach dem 2. Weltkrieg kamen ab 1955 künftige Autoren neuentstehender multikultureller Literaturen zunächst hauptsächlich aus Italien, Spanien, Portugal, Jugoslawien und Griechenland an den deutschen Literaturstandort. Dieser große Teilbereich der deutschsprachigen multikulturellen Literatur im 20. Jahrhundert, die Literatur von Migranten, die in der ersten Phase der sich neu entwickelnden Migration in den deutschsprachigen Raum entstand, wurde zunächst als Gastarbeiterliteratur bezeichnet. Sie knüpfte an die deutsche Tradition der Arbeiterliteratur an, hatte eine kämpferische Motivation und ihre Autoren entstammten nicht selten auch wirklich den Reihen der damals sogenannten Gastarbeiter. Entsprechend der Tatsache, dass die Arbeitsmigration im eigentlichen Sinne 1973 durch ein Anwerbestop beendet und auch die "Gastarbeiter"-Idee sich als Utopie erwies, setzte sich ab den 1980er Jahren eine Reihe von neuen Bezeichnungen durch für die Literatur, die von nicht-deutschsprachigen Autorinnen und Autoren in der Bundesrepublik, in Österreich und der Schweiz geschaffen wurde. Mit dem Begriff Migrantenliteratur sollte der außerliterarischen Tatsache Rechnung getragen, dass ihre Autoren in den deutschsprachigen Raum migriert sind, weitere Verallgemeinerungen waren nicht beabsichtigt.

Die Zahl der zu dieser Kategorie gehörigen Autorinnen und Autoren ist unsicher, eine vorsichtige Schätzung für das Jahr 2000 beläuft sich auf ungefähr 250 Personen. Dass diese Zahl unsicher und veränderlich ist, liegt am außerordentlich dynamischen Charakter des Phänomens selber. Migrantenliteratur ist in Zeiten der zunehmenden globalen Mobilität der Menschen im Zunehmen begriffen und global gesehen handelt es sich um weit höhere Zahlen. Literatur der zweiten und dritten Einwanderergeneration, häufig wenig treffend auch als Migrantenliteratur bezeichnet, ist hierbei noch gar nicht mit eingerechnet.

Gastarbeiterliteratur

Der Begriff Gastarbeiterliteratur bezeichnete in den 1970er und 1980er Jahren die Literatur, die von ausländischen Schriftstellern in Deutschland, Österreich und der Schweiz geschaffen wurde. Der Terminus lehnt sich an die Tatsache an, dass man ab 1955 Arbeitsmigranten in großer Zahl in die deutschsprachigen Länder geholt hat und diese als Gastarbeiter bezeichnete.

Die Autoren und Autorinnen der Gastarbeiterliteratur entstammten bereits zu Beginn keinesfalls nur ihren Reihen. Dieses außerliterarische Kriterium zur Beschreibung von Literatur stand auch von Anfang an unter kritischer Beobachtung. Aus den Reihen der Schriftsteller selber machten sich besonders die theoretisch führenden Mitglieder des PoLiKunstvereins, der von 1980 bis 1987 existierte, für diese Bezeichnung stark. Es waren Franco Biondi, Rafik Schami, Jusuf Naoum und Suleman Taufiq, die in einer Fußnote zu ihren Literatur der Betroffenheit. Bemerkungen zur Gastarbeiterliteratur auf die Ironie der Bezeichnung hinwiesen. Gäste ließe man normalerweise nicht arbeiten, auch blieben Gäste nicht so lange wie die Gastarbeiter, die sich in zunehmendem Maße im Lande niederließen, statt es nach einer kürzeren Zeit wieder zu verlassen, wie ursprünglich seitens der Industrie und Politik geplant.

Als Kennzeichen einer Gastarbeiterliteratur galt aus der Sicht der anfänglichen deutschen Rezeption die Tatsache, dass sie von fremdsprachigen Autoren auf Deutsch als Fremdsprache geschaffen wurde. Eine erweiterte Sicht der Dinge schließt aber auch sowohl in verschiedenen Fremdsprachen entstandene, dann ins Deutsche übersetzte Literatur von Migranten und Literatur von migrierten Autoren aus deutschsprachigen Minderheiten der verschiedensten Länder ein.

Migrantenliteratur

Migrantenliteratur ist einer der neueren Begriffe, die dazu benutzt werden, die Literatur zu bezeichnen, die von Autorinnen und Autoren geschaffen wird, die selbst oder zusammen mit ihren Eltern in ein zunächst fremdes Land migriert sind. Mit der Veränderung des Wohnortes geht bei diesen Autoren meist ein Sprachwechsel und/oder ein Nationalitätswechsel einher. Der Begriff ist teilweise deckungsgleich mit dem Begriff Gastarbeiterliteratur, ohne jedoch eine Zugehörigkeit der Autoren zur Schicht der Arbeiter vorauszusetzen. Einzig die Migration wird im Begriff Migrantenliteratur fokussiert. Auch dieser Begriff ist innerhalb der diesbezüglichen Literaturforschung nicht unumstritten und findet gleichzeitig mit mehreren anderen Verwendung.

Ein Sonderfall der Migrantenliteratur ist die Exilliteratur. An ihr sind nicht selten Einflüsse des exilgebenden Landes auszumachen, aber häufig sind die Werke auch unabhängig vom Aufenthaltsort der Autoren allein vom Exil geprägt und können daher nicht in jedem Fall unter den multikulturellen Literaturen subsumiert werden. Die Übergänge zwischen Emigration, Exil und Weitermigration sind jedoch sowohl biographisch als auch thematisch häufig fließend, und nicht wenige Exiltexte loten den Zwischenraum zwischen den Kulturen aus.

Erläuterungen zum Text 12a
1) Autoren entstammen den Reihen - авторы вышли из рядом …
2) Anwerbestopp (m) - прекращение действия соглашения о найме иностранцев на работу
3) Rechnung tragen - нести ответственность
4) sich belaufen auf - составлять (какое-л. количество)
5) im Zunehmen begriffen sein - увеличиваться
6) Einwanderungsgeneration (f) - поколение мигрантов
7) PoLiKunstverein (m) - объединение представителей литератур разных национальностей
8) Literatur der Betroffenheit - литература униженных
9) sich niederlassen - оседать, оставаться жить
10) Sicht (f) - точка зрения
11) deutsche Rezeption - в восприятии немцев
12) Exilliteratur (f) - литературные произведения, созданные в эмиграции
13) Aufenthaltsort (m) - место пребывания, проживания
14) subsimieren - объединять
15) ausloten - заполнять, выравнивать

Aufgaben zum Text 12a

1. Beantworten Sie Fragen zum Text.
1) Woher kamen künftige Autoren neuentstehender Literaturen?
2) Wie wurde diese Literatur zunächst bezeichnet?
3) Was bedeutete der Begriff "Gastarbeiterliteratur"?
4) Was galt als Kennzeichen der Gastarbeiterliteratur?
5) Was verstand man unter der Exilliteratur?

2. Suchen Sie im Text 7 Sätze mit dem erweiterten Attribut und übersetzen Sie sie ins Russische.

3. Bestimmen Sie den Unterschied zwischen Arbeiter- und Migrantenliteratur und schreiben sie ein Referat dazu. Text 12b

Eine unübersehbare1 interkulturelle Vielfalt

Seit mindestens einem Jahrzehnt ist eine unübersehbare1 interkulturelle Vielfalt zu einem wichtigen Kennzeichen auch der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur geworden. Bewirkt wurde diese Vielfalt vor allem durch den mit den Migrationsbewegungen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts einhergehenden Kulturwechsels vieler Literaten, der ihre Themen und Sprachbilder prägte2 und oft die Wahl des Deutschen als Literatursprache nahe legte.

Die Migrantenliteratur, die vor 1985 noch eher ein Schattendasein führte3, hat in den letzten 20 Jahren äußerst unterschiedliche poetische Konzepte entwickelt und damit die deutsche Literatur bereichert und internationalisiert. Heute gehören einige ihrer Autoren zu den bekannten und viel gelesenen Schriftstellern deutscher Sprache – Feridun Zaimoglu oder SAID, Rafik Schami oder Terezia Mora, Herta Müller oder Zsuzsa Bank haben sich auf dem Buchmarkt etabliert4 und sind mit ihren Romanen, Erzählungen und Gedichten wichtige Repräsentanten der heutigen deutschen Literatur.

Erst um 1980 wurden literarische Äußerungen von Arbeitsmigranten, damals oft unter denn Etikett "Gastarbeiterliteratur", von der deutschen Öffentlichkeit breiter wahrgenommen. Viele Texte dieser ersten, über die Mitte der achtziger Jahre hinaus anhaltenden Phase hatten die Dialektik von Heimat und Fremde, den migrationsbedingten Sprach- und Kulturwechsel und die Probleme der sich dem "Multikulturellen" nur zögernd öffnenden deutschen Gesellschaft zum Thema.

Mit dem Auftauchen von Schriftstellern, die der zweiten oder dritten Migrantengeneration angehören und sich immer häufiger dem "Konflikt zwischen Vereinnahmung und Ausgrenzung" zu entziehen suchen, scheint die Migrantenliteratur allmählich in der deutschen Literatur aufzugehen. Autoren wie Za Jose F.A. Oliver oder Zehra Јirak wollen sich weder der ausländischen noch der deutschen Seite zurechnen lassen. Feridun Zaimoglu lieferte mit Kanak Sprak das Stichwort für eine ganze Generation deutschtürkischer Großstadt-Jugendlicher und versteht sich, ähnlich wie Yade Kara, Selim Özdogan oder Imran Ayata, ganz selbstverständlich als literarischer Vertreter einer postkolonialen, hybriden Mischkultur. Bei den nach 1970 geborenen Autoren mit nicht-deutschem kulturellen Hintergrund haben sich äußerst vielfältige interkulturelle Schreibweisen herausgebildet.

Das alles in Betracht gezogen, war auch das Münchner Institut für Deutsch als Fremdsprache maßgeblich an der Einrichtung des 1985 erstmals vergebenen Adelbert-von-Chamisso- Preises beteiligt, der mittlerweile zu den renommiertesten deutschen Literaturpreisen gehört.

Erläuterungen zum Text 12b
1) unübersehbar - необозримый
2) Kulturwechsel prägte die Themen und Sprachbilder - смена культур наложила отпечаток на тематику и языковые образы
3) Schattendasein führen - находиться в тени
4) sich auf dem Buchmarkt etablieren - укрепиться на книжном рынке
5) der migrationsbedingte Sprach- und Kulturwechsel - обусловленное миграцией изменение языка и культуры
6) Vereinnahmung und Ausgrenzung - приятие и отчуждение (обособление)
7) in der deutschen Literatur aufgehen - проявить себя в немецкой литературе
8) Stichwort - ключевое слови
9) Schreibweise - манера письма

Aufgaben zum Text

1. Beantworten Sie Fragen zum Text.
1) Seit wann ist die interkulturelle Vielfalt zu einem Kennzeichen der deutschen Gegenwartsliteratur geworden?
2) Wann führte die Migrantenliteratur ein Schattendasein?
3) Wann wurden literarische Äusserungen von Migranten von der deutschen Öffentlichkeit wahrgenommen?
4) Aus welchen Gründen hatten die Autoren ihre Heimat verlassen?
5) Wann gerieten die Autoren verstärkt in den Blick?

Suchen Sie im folgenden Satz das erweiterte Attribut und übersetzen Sie ihn ins Russische.
Bewirkt wurde diese Vielfalt vor allem durch den mit den Migrationsbewe gungen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts einhergehenden Kulturwechsels vieler Literaten, der ihre Themen und Sprach bilder prägte und oft die Wahl des Deutschen als Literatursprache nahe legte.

3. Lesen Sie die Aussage von Harald Weinrich und äußern Sie Ihre Meinung dazu.

"Deutschland ist ein Land aus Sprache und Geschichte gemacht, und alle Personen, die von der deutschen Sprache einen solchen Gebrauch machen, dass sie diese Geschichte weiter schreiben, sind natürliche Landsleute, sie mögen von innen kommen oder von außen".

Harald Weinrich. "Um eine Literatur von außen bitten" (1983), Ideengeber der Errichtung des 1985 erstmals vergebenen Adelbert-von- Chamisso-Preises.

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LEKTION 13

Adelbert-von-Chamisso-Preis

Text 13a

Der Edelmann als Bürger

Adelbert von Chamisso hatte mehr Glück als viele politische Emigranten unserer Tage, Der gebürtige Franzose fand eine neue Heimat in Berlin, er baute sich eine bürgerliche Existenz auf, wurde noch zu Lebzeiten als Dichter deutscher Sprache und im internationalen Wissenschaftsbetrieb als Naturforscher anerkannt. Doch Chamisso vergaß nie, wie wenig selbstverständlich sein Einwandererschicksal war.

Mit elf Jahren wurde der Grafensohn aus einer heilen Kindheitswelt1 in die Kriegswirren2 nach der Französischen Revolution hineingezogen. »Von Stadt zu Stadt, von Land zu Land irrend, ohne Bändungen, ohne Vaterland, fast ohne Hoffnung, die Stütze der Elenden, habe ich das Unglück kennengelernt; kaum war es mir vergönnt3, den Erzeugern meiner Tage nützlich zu sein. An ihr Schicksal gebunden und ihren Schritten folgend, habe ich Brabant, Holland, das Reich durchmessen; überall bot sich ein Bild des Unglücks meinen Augen; überall fand ich Landsleute von allerhöchstem Rang ins Elend gestürzt4«, heißt es in einem Schulaufsatz Chamissos. Vier Jahre irrte die Familie durch Europa, ehe sie 1796 in Berlin eine dauerhafte Zuflucht fand5. Vorher waren die bis heute üblichen Schwierigkeiten zu bestehen: Die preußische Polizei drohte den unerwünschten Gästen mit Abschiebung6. Doch der alte Adelstitel der Chamissos galt noch etwas im konservativen Preußen, das sich am ersten Koalitionskrieg gegen die französischen Revolutionsheere beteiligt hatte. Die Familie fand in Berlin Anschluß7 an die französische Kolonie der Hugenotten und an den preußischen Hof. Adeibert konnte das Französische Gymnasium besuchen, diente als Page bei der Königin und trat 1798, mit siebzehn Jahren, als Fähnrich8 in die preußische Armee ein. Den Stammsitz der Familie, Schloß Boncourt in der Champagne, hatte der französische Staat beschlagnahmt und 1793 zum Abbruch9 durch die Bauern der Gegend freigegeben.

In den Jahren 1815 bis 1818 reiste Chamisso als Naturforscher auf einem russischen Expeditionsschiff rund um die Welt. Dieses Abenteuer und seine wissenschaftlichen Erkenntnisse sicherten dem Außenseiter10 eine breite gesellschaftliche Akzeptanz, die er bis dahin nur im engeren Kreis von Freunden erfahren hatte. Eine Anstellung im Botanischen Garten von Berlin ermöglichte es ihm, eine Familie zu gründen. Aus dem mißtrauisch beäugten Immigranten11 mit Adelstitel wurde ein geachteter preußischer Bürger. Ghamisso selbst war sehr stolz, daß er seinen bescheidenen Wohlstand nicht Adelsprivilegien verdankte, sondern sich alles selbst erarbeitet hatte.

Der liberale Bürger Chamisso träumte von einer Welt, die sich nicht durch Kriege und Revolutionen, sondern im Streit der Meinungen fortentwickelte.

Erläuterungen zum Text
1) eine heile Kindheitswelt - (зд.) безоблачный мир детства
2) in die Kriegswirren hineinziehen - втянуть в ужасы войны
3) kaum war es mir vergönnt... - мне не было суждено, мне не посчастливилось
4) Landsleute … ins Elend gestürzt - земляки в нищенском положении
5) Zuflucht finden - найти прибежище
6) mit Abschiebung drohen - грозить высылкой
7) Anschluß finden an Dat. - установить связь с…
8) Fähnrich (m) - прапорщик
9) zum Abbruch freigeben - отдать на слом
10) Außenseiter (m) - замкнутый (необщительный) человек, индивидуалист, аутсайдер
11) mißtrauisch beäugter Immigrant - иммигрант, к которому относятся с подозрением

Aufgaben zum Text 13a

1. Beantworten Sie Fragen zum Text.
1) Was schreibt Adelbert von Chamisso über seine Kindheit?
2) Worüber schrieb Chamisso in seinem Schulaufsatz?
3) Wo fand die Familie Chamisso Zuflucht?
4) Womit drohte die preußische Polizei den unerwünschten Gästen?
5) An wen fand die Familie Chamisso den Anschluß in Berlin?
6) Worauf war Chamisso stolz?
7) Wie änderte sich das Leben von Chamisso?

TEST

2. Suchen Sie im Text Sätze, die schweres Leben eines Emigranten beschreiben.

3. Schreiben Sie einen Plan zum Text "Der Edelmann als Bürger" und geben Sie den Inhalt des Textes wieder.

Text 13b

Über den Chamissopreis

Der Adelbert-von-Chamisso-Preis ist ein Literaturpreis, mit dem die Robert Bosch Stiftung1 seit 1985 deutsch schreibende Autoren nicht deutscher Muttersprache auszeichnet, und der im deutschsprachigen Raum in seiner Ausrichtung einzigartig2 ist. Die ausgezeichneten Autoren3 haben ganz unterschiedliche kulturelle Hintergründe und sind durch Arbeitsmigration, Asyl,4 Exil5 oder Studium nach Deutschland gekommen. Eines aber verbindet sie: Die deutsche Sprache, in die sie eingewandert6 sind und die sie zu ihrer eigenen und wichtigsten Ausdrucksform gemacht haben. Dieser Wechsel in die deutsche Sprache geht dabei weit über deren Alltagsgebrauch7 hinaus. Er vollzieht sich in künstlerischer und literarischer Aneignung und macht das Werk der Adelbert-von-Chamisso-Preisträger zu einem selbstverständlichen Bestandteil der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur.

Der Preis dokumentiert, dass Literatur und Sprache der Verständigung zwischen den Kulturen dient - in Deutschland, in Europa und darüber hinaus. Die Chamisso-Preisträger, die wie Elazar Benyoeiz und Galsan Tschinag nicht in Deutschland leben und wirken, fördern mit ihren Werken den internationalen Gebrauch8 des Deutschen als Bildungssprache. Die im deutschen Sprachraum tätigen Preisträger sind Beispiele dafür, wie die Kultur derjenigen, die hier eine neue oder zweite Heimat gefunden haben, mit der unseren zusammenfindet. Die Chamisso-Preisträger sind nicht nur hervorragende Schriftsteller und Vertreter der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur, sondern haben auch eine wichtige Vorbildfunktion, insbesondere für Jugendliche9 mit Migrationshintergrund. Uns allen ist deutlich geworden, welche zentrale Rolle die Sprache für gelingende Integration10 spielt. Ohne ausreichende Sprachbeherrschung ist ein Leben und Arbeiten in der Gesellschaft nicht möglich.

Es war die kluge Initiative Harald Weinrichs, die Robert Bosch Stiftung von der Einrichtung des Adelbert-von-Chamisso-Preises zu überzeugen. Seit der ersten Preisverleihung 1985 an Aras Ören und Rafik Schami sind insgesamt 48 Schriftsteller aus über zwanzig Herkunftsländern ausgezeichnet worden. Wurde die mit dem Preis gewürdigte Literatur seit den 80er Jahren zunächst ist noch "Gastarbeiterliteratur", später "Migrationsliteratur" genannt, so ist sie heute zu einem selbstverständlichen Bestandteil deutscher Gegenwartsliteratur geworden, die nicht selten auch als "Chamisso-Literatur" bezeichnet wird.

Die seit 1997 verliehene "Ehrengabe zum Adelbert-von-Chamisso-Preis11 der Robert Bosch Stiftung" wurde bisher an drei Persönlichkeiten vergeben, die durch ihr Lebenswerk in besonderer Weise im Sinne des Preises gewirkt haben: Jiri Grusa, Imre Kertesz und Harald Weinrich.

Die lebhafte Resonanz auf die zahlreichen von der Stiftung angeregten und unterstützten Lesungen der Preisträger12 an Schulen, Büchereien und Theatern im gesamten deutschsprachigen Raum zeigt das hohe Interesse an dieser Literatur. Es macht den besonderen Charakter des Adelbert-von-Chamisso-Preises aus, dass er nicht allein in einer Prämierung besteht, sondern durch eine Begleitförderung13 das Lesen der Autoren gerade an Schulen möglich macht.

Die Robert Bosch Stiftung veranstaltet in unregelmäßigen Abständen Chamisso-Tage14, die an unterschiedlichen Orten im deutschsprachigen Raum15 durchgeführt werden, zuletzt 2003 in Basel. Im Oktober 2007 wurden die Chamisso-Tage im Ruhrgebiet stattfinden. Sie vergibt darüber hinaus Arbeitsstipendien an die Preisträger und fördert eine Chamisso-Poetikdozentur an der Technischen Universität Dresden. Ein Katalog begleitet eine Fotoausstellung zu den Preisträgern, die in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut im deutschsprachigen Raum und bereits in weiten Teilen Europas präsentiert wurde.

Erläuterungen zum Text
1) Robert Bosch Stiftung - фонд им. Роберта Боша. Роберт Бош (1861-1942) - известный немецкий промышленник. Созданный им электрохимический концерн приобрел мировую славу. Р.Бош был широко известен своей общественно-политической и благотворительной деятельностью. Основные сферы деятельности фонда:
- научные исследования;
- гуманитарная помощь в сфере здравоохранения;
- развитие взаимопонимания между народами;
- образование и общество;
- общество и культура.
2) einzigartig sein - быть единственным в своем роде
3) ausgezeichnete Autoren - награжденные авторы
4) Asyl (n) - (политическое) убежище
5) Exil (n) - ссылка, изгнание
6) in die Sprache einwandern - войти в язык
7) Alltagsgebrauch (m) - повседневная, обиходная речь
8) den internationalen Gebrauch des Deutschen fördern - содействовать распространению немецкого языка в международном масштабе
9) Vorbildfunktion für Jugendliche haben - служить молодежи в качестве примера
10) gelingende Integration - успешная интеграция
11) Ehrengabe zum Adelbert-von-Chamisso-Preis - почетная премия за особые заслуги, вручаемая лауреату
12) Lesungen der Preisträger - чтение собственных произведений лауреатами премии
13) Begleitförderung (f) - дополнительное выделение средств для выступления лауреатов в библиотеках, школах и т.д.
14) Chamisso-Tage veranstalten - проводить (организовывать) "Дни Шамиссо"
15) der deutschsprachige Raum - немецкоязычное пространство

Aufgaben zum Text 13b

1. Beantworten Sie Fragen zum Text.
1) Wer wird mit Chamisso-Preis ausgezeichnet?
2) Welche Hintergründe hatten die ausgezeichneten Autoren, um nach Deutschland zu kommen?
3) Was dokumentiert dieser Preis?
4) Was fördern die Preisträger, die nicht in Deutschland leben?
5) Welche Vorbildfunktion haben die Preisträger?
6) Wessen Initiative nach wurde der Chamisso-Preis von der Robert-Bosch-Stiftung eingerichtet?

TEST

2. Führen Sie die Sätze zu Ende.
1) Die ausgezeichneten Autoren hatten ganz ...
2) Eines aber verbindet sie: ...
3) Der Preis dokumentiert, dass Literatur um ...
4) Die Chamisso-Preisträger, die nicht in Deutschland leben, fördern mit ...
5) Die seit 1997 verliehene Ehrengabe zum Adelbert von Chamisso-Preis ...
6) Die Robert-Bosch-Stiftung veranstaltet ...

3. Sprechen Sie zum Thema "Kulturelle, erzieherische und politische Bedeutung von Adelbert-von-Chamisso-Preis".

Text 13c

Chamissopreis für Feridun Zaimoglu

Einen schönen "deutschen Moment" konnte man kürzlich in München erleben. Dort wird traditionell der Chamisso-Preis überreicht. Eine literarische Auszeichnung,1 die in den 20 Jahren ihres Bestehens immer wichtiger geworden ist. Richtet sie sich doch an jene, die, aus einer anderen Sprache und Kultur stammend, nunmehr mit auf Deutsch geschriebenen Werken unsere Literatur bereichern2. Im Jubiläumsjahr geht jetzt der Hauptpreis3 an Feridun Zaimoglu. Dieser Deutschtürke des Jahrgangs 1964 verkörpert4 so etwas wie die Galionsfigur5 jener "Migrantenliteratur", die man fördern will. Mit seiner "Kanak Sprak"6 hat er sich schon ein kleines bißchen Unsterblichkeit erworben7. Doch beim von Türken gesprochenen Starkdeutsch blieb er nicht stehen. Sein neuestes Buch "Zwölf Gramm Glück" offenbart leise Töne, lyrische Seiten und zeigt, daß es sogar in diesem Lande Menschen gibt, die begriffen haben, wann es Zeit ist, den Berufsjugendlichen an den Nagel zu hängen8. Möge das Beispiel Zaimoglu, der auch im Auftreten ganz Gentleman, ganz Parkettsicherheit9 geworden ist, hierzulande ein bißchen Schule machen!

Apropos Beispiel. Der Gekürte hatte noch eine weitere Lektion im Gepäck. Auf die wimpernklimpernde Frage der Moderatorin, ob er sich nun als deutscher Dichter fühle, reagierte Zaimoglu ebenfalls bemerkenswert. "Na, klar", kam so lakonisch wie prompt die Antwort. Und auch beim ungläubigen Nachfragen ließ er sich nicht ins seichte Gewässer politischer Korrektheit hinabziehen10: "Nicht als deutschsprachiger, nicht als zweisprachiger, Sie fühlen sich wirklich als deutscher Dichter?", insistierte es. Standhaft konterte Zaimoglu: "Na, klar."

"Ein deutscher Dichter" - dazu fallen manchen Leuten die Zeilen Max Hermann Neißes ein: "Ein deutscher Dichter bin ich einst gewesen: / Jetzt ist mein Leben Spuk11 wie mein Gedicht." Es fallen uns ein Verfolgung und Exil. Deutschland und deutsche Dichtung als Sehnsuchtsland, das ferne leuchtet; ein Orplid,12 das nicht nur Mörike, sondern vor allem Heine in beklemmenden Worten heraufbeschworen hat. Man muß jetzt nicht die ganze Tradition von Unterhaltungen deutscher Ausgewanderter herunterbeten, um zu signalisieren: Eine Äußerung wie "Ich bin ein deutscher Dichter" bevoziert13 eine lange, große Geschichte vom Leiden an Deutschland. Sie ist für die meisten von uns nicht zu haben ohne Trauer und Melancholie.

Und eben dieser Grundton und Generalbaß - das war in München das Schöne - schien in dem beherzt-fröhlichen Bekenntnis14 von Feridun Zaimoglu wie weggeweht. Wir ahnen nicht, ob er im Moment seines Bekenntnisses an Heine und all die anderen gedacht hat. Es ist auch ganz gleichgültig. Unsere deutsche Literatur besteht jetzt vermehrt aus Menschen mit anderem Gepäck15. Es ist vielleicht, in manchen Stücken, nicht weniger leidvoll. Im Hinblick auf das Deutschsein aber ist es unbekümmert und zutraulich. Das war der Moment von München. Wir werden seinesgleichen jetzt hoffentlich öfter erleben.

Erläuterungen zum Text 13c
1) literarische Auszeichnung - литературная награда
2) bereichern - обогащать
3) Hauptpreis (m) - главная премия
4) verkörpern - олицетворять
5) Galionsfigur (f) - букв. фигурное украшение носа (судна); зд. главный, идущий впереди
6) "Kanak Sprak" - название первого романа Феридуна Займоглу. Канаки - жители Полинезии и Океании. Сегодня в Германии "канаки" - крайне негативное и унизительное наименование иностранцев (обычно гастарбайтеров) в основном арабского, турецкого, южно-европейского и южно-азиатского происхождения (сравн. русск. "чурки"). Kanak Sprak - ломаный немецкий язык, на котором говорили турецкие иммигранты
7) Unsterblichkeit erwerben - зд. добиться признания (бессмертия)
8) an den Nagel hängen - бросать
9) Parkettsicherheit (f) - умение вести себя в обществе
10) ... ließ er sich nicht ins seichte Gewässer politischer Korrektheit hinabziehen - не позволил увлечь себя на мелководье политической корректности
11) Spuk (m) - путаница, неразбериха
12) Orplid - утопический остров желания и мечты, придуманный Эдуардом Мёрике (1804-1875), немецким лириком, прозаиком и евангелическим священником
13) evozieren - вызывать в памяти
14) beherzt-fröhlicher Bekenntnis - сердечно-радостное признание (излияние души)
15) Menschen mit anderem Gepäck - зд. люди другого происхождения.

Aufgaben zum Text 13c

1. Beantworten Sie Fragen zum Text.
1) In welcher Stadt wird traditionell Chamisso-Preis überreicht?
2) An wen ging im Jubiläumsjahr 2005 der Chamisso-Preis?
3) Welche Werke hat er geschrieben?
4) Warum wird er Galionsfigur genannt?

2. Übersetzen Sie den Text "Chamissopreis für Feridun Zaimoglu" ins Russisch.

Text 13d

Grimmelshausen-Preis 2007

Gelnhaysen ehrt Feridun Zaimoglu

Mit seinem Roman "Leyla" hat der Schriftsteller Feridun Zaimoglu ein sprachgewaltiges Familienepos aus dem Anatolien der 50er Jahre veröffentlicht. Dafür wird er jetzt mit dem Grimmelshausen-Preis 2007 ausgezeichnet.

In "Leyla" thematisiert der 1964 im anatolischen Bolu geborene und seit mehr als 35 Jahren in Deutschland lebende Autor den Weg der heranwachsenden Leyla aus der türkischen Heimat in das fremde, wohlhabende Deutschland. Es ist die Türkei der fünfziger und frühen sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts, die den historischen und sozialen Hintergrund der autobiographisch gefärbten Geschichte bildet, der mit der Ankunft Leylas und ihrer Familie in Berlin endet.

"Der brillant und spannend geschriebene Roman ist einer der bedeutendsten aktuellen Texte für das Verständnis ganzer Generationen von 'Gastarbeitern', die in Deutschland ihr materielles Auskommen suchten," heißt es in der Begründung zur Preisvergabe. Zugleich sei es das Buch eines "Angekommenen", der zu den wichtigsten deutschsprachigen Schriftstellern seiner Generation zählt.

Grimmelshausen-Preis

Der Grimmelshaüsen-Pfeis ist mit 10.000 Euro dotiert und wird alle zwei Jahre vergeben. Stifter sind die "Grimmelshausen-Städte" Gelnhausen in Hessen und Renchen in Baden-Württemberg sowie die Länder Hessen und Baden- Württemberg.

Text 13e

Chamisso-Tage an der Ruhr

Im Rahmen der Chamisso-Tage, die dieses Jahr erstmalig in Nordrhein-Westfalen zu Gast sind, hat die Stiftung in 13 Städten des Ruhrgebiets zu rund 200 literarischen Veranstaltungen eingeladen. 32 ausgezeichnete Autoren lesen bei den "Chamisso-Tagen an der Ruhr". Insgesamt stehen 200 literarische Veranstaltungen in 13 Städten auf dem Programm,

Das Literaturfestival findet erstmals im Ruhrgebiet unter dem Motto "viele Kulturen - eine Sprache" statt. Die Robert Bosch Stiftung verleiht den Adelbert-von-Chamisso-Preis und zeichnet damit deutsch schreibende Autoren aus, deren Muttersprache und kulturelle Herkunft nicht die deutsche ist.

In Zusammenarbeit mit der Robert-Bosch-Stiftung war Dortmund im Oktober zum Zentrum der „Chamisso-Tage an der Ruhr 2007". Rund 80 internationale Autorinnen und Autoren gastieren dann bei Lesungen, Gesprächsforen und Schulprogrammen in der Region und bringen dem Publikum den Dichter und Naturforscher Adelbert von Chamisso, (1781 bis 1838) näher. Zahlreiche Ruhrgebietsstädte sind an dem Programm beteiligt, das von Dortmund aus koordiniert wird.

Obwohl Französisch Chamissos Muttersprache war, gelang es Chamisso, in der deutschen Fremdsprache unsterbliche Werke zu schaffen. Am bekanntesten sind sicherlich "Peter Schlemihls wundersame Geschichte" (1814) und das Gedicht "Das Riesenspielzeug" über die Burg Nideck im Elsass.

Dies erklärt, dass der bisher einzige Literaturpreis für deutschsprachige Migrantenliteratur seinen Namen trägt. Mit dem Adelbert-von-Chamisso-Preis werden seit 1985 in Deutschland Autorinnen und Autoren nichtdeutscher Muttersprache ausgezeichnet.

Aufgaben zum Text 13e

1. Beantworten Sie Fragen zum Text.
1) Unter welchem Motto findet das Literaturfestival statt?
2) Welche Autoren werden mit ChamissoßPreis ausgezeichnet?
3) Wieviel internationale Autoren nehmen an dem Literaturfestival teil?
4) Warum trägt dieser Literaturpreis den Namen von Chamisso?

TEST

начало


Anhang

Neue Tendenzen in der "Migrantenliteratur"

II. Neuer Litefaturpreis ins Leben gerufen

III. Chamisso-Preiströger Feridun Zaimoglu im Gespräch mit Armin Kratzert

IV. Laudatio auf Feridun Zaimoglu, Adelbert-von-Chamisso-Preisträger 2005. Redemanuskript

I.

Neue Tendenzen in der "Migrantenliteratur"

Der Gast, der keiner mehr ist

Die deutsche Migrantenliteratur hat sich in den letzten 50 Jahren stark verändert. Die "Gastarbeiterliteratur" ist weit überholt. Die neue Generation der Literatur mit Migrantenhintergrund ist endlich in der "Normalitat" angekommen, schreibt Andreas Schumann.

Wo sind sie hin, die Romanfiguren, die als Gastarbeiter und Zuwanderer in Deutschland ihr tristes Dasein fristen1, um Verständnis und Akzeptanz bitten, sich um ihre Identität in der Fremde bemühen, dem Gastland trotzen?

Seit den 1960er Jahren hatten wir uns an diese fiktiven Mitbürgerinnen gewöhnt; selbst wenn ihre Geschichten nur von Wenigen gelesen wurden, so waren sie doch genau so vorhanden wie ihre Widergänger2 im realen Alltag. Doch seit wenigen Jahren werden sie in der Literatur der Autorinnen, deren Muttersprache nicht die deutsche war, immer seltener.

Liegt dies allein darin begründet, dass die Migration nach Deutschland insgesamt rückläufig ist, mittlerweile die dritte Generation an Zuwanderern hier lebt, arbeitet, schreibt - und somit die Muttersprache mehr und mehr doch die deutsche ist? Oder ist die erst in den 1980er Jahren allmählich entdeckte Literatur der Migranten endlich in der "Normalität" angekommen, ist sie integraler Bestandteil deutschsprachiger Literatur ohne das Zeichen des Exzentrischen und Marginalen geworden?

Wegfall des Integrafions- und Assimiiationsdruck

Die Geschichte der "Migrantenliteratur" in Deutschland hat durch die von Feridun Zaimoglu maßgeblich mitinszenierte Kanak-Bewegung ab 1995 eine völlig neue Richtung genommen. Weit entfernt von der "Gastarbeiterliteratur" der 1960er Jahre, ohne den deutlich politisch markierten Impuls der "Literatur der Betroffenheit" (Franco Biondi/Rafik Schami) oder dem Wunsch nach einer zwischen den Kulturen vermittelnden Literatur (Yüksel Pazarkaya ), gehen viele Texte, die von Autorinnen mit Migrationshintergrund stammen, neue Wege.

Fragen nach Identitäten werden abgelöst von der Suche nach Individualität, die in der dargestellten Welt inszenierten Räume leben nicht mehr von der Semantik des Eigenen oder des Fremden. Es geht nicht mehr vorrangig um einen clash of cultures3 - und damit fällt auch der Integrations- bzw. Assimilationsdruck auf die Figuren in den Texten (wie offensichtlich auch auf die real Schreibenden) weg.

"Sind sie zu fremd, bist du zu deutsch"

Die große "Wende" weg von einer "Migrations-" oder "Ausländerliteratur" wird im Jahre 2000 markiert mit zwei Anthologien: Ilija Trojanow (Hg.): Döner in Walhalla. Texte aus einer anderen deutschen Literatur. (Köln: Kiepenheuer & Witsch) und Jamal Tuschick (Hg.): Morgen Land. Neueste deutsche Literatur. (Frankfurt/Main: Fischer Taschenbuch).

Die Veränderungen werden in beiden Büchern an sehr prominenter Stelle betont. Ilija Trojanow leitet seinen Band mit der Frage ein: "Welche Spuren hinterläßt der Gast, der keiner mehr ist?" und in Morgen Land heißt es - in aller Radikalität und Deutlichkeit - "Sind sie zu fremd, bist du zu deutsch."

Weder geht es um die Suche nach Möglichkeiten einer Integration in die deutsche Gesellschaft noch um die trotzige Gebärde der Selbstbehauptung4, wie in Zaimoglus fiktiven Protokollen Kanak Sprack. 24 Misstöne vom Rande der Gesellschaft (1995), oder Koppstoff.

Kanaka Sprak vom Rande der Gesellschaft (1998) - allein die Untertitel belegen hier ja noch die selbstinszenierte Eigen- und Randständigkeit5 der "Migrantenliteratur". Doch davon sind die Beiträge in den beiden Anthologien ebenso weit entfernt wie andere Beispiele der "neuesten deutschen Literatur".

Migrantenliteratur ist "normal" geworden

Und noch etwas wird in diesen Bänden augenfällig, nämlich eine Tendenz, die sich während der 1990er Jahre allmählich vorbereitete: Die zunehmende Vielfältigkeit der biographischen Hintergründe der Autorinnen. Die nationale Herkunft spielt kaum mehr eine Rolle, eindeutige Gründe für eine Zuwanderung wie Arbeitsmigration oder politisch motivierte Flucht lassen sich kaum mehr ausmachen.

Viele der jüngeren Schreibenden gehören darüber hinaus der so genannten zweiten und dritten Generation an, viele sind bereits in Deutschland geboren, die Sprache, in der sie schreiben ist im Regelfall die deutsche. Wie soll sich da ein gemeinsamer Standpunkt, eine gemeinsame Intention6 der Schreibenden aus einem Migrationshintergrund einstellen, wie er in den letzten 30 Jahren immer wieder gefordert wurde?

Es ist somit wohl mittlerweile unzulässig, von einer "Migrantenliteratur" in Deutschland zu reden, auch ist es nicht mehr eine "Literatur der Fremde" noch eine Kultur vermittelnde Dichtung. Sie braucht keine Ideologie, keinen politisch-moralischen Anspruch, keine geschichtliche Kontinuität, keine nationale Identität, keine Bewertung von Handlungen mehr, braucht scheiternde Kommunikation nicht >zu betrauern7, kann sich dem Alltag zuwenden, kann die Identität von Gruppen herstellen - und hat sich damit von den Traditionen der Migrantenliteratur emanzipiert und ist "normal" geworden.

Neugier auf die Fremdheit des eigenen Alltags

Sicher, es gibt noch zahlreiche Bücher, die in der Tat Migration zum Thema haben, etwa bei Vladimir Vertlib (Zwischenstationen. 1999; Das besondere Gedächtnis der Rosa Masur. 2001) oder Ilija Trojanow (Die Welt ist groß und Rettung lauert überall. 1996). Für solche Texte, die sich aus einem spezifischen Migrationshintergrund speisen - nämlich dem Wechsel aus ehemaligen Ländern des so genannten "Ostblocks" in den Kapitalismus - hat Heidi Rösch bereits 1998 den Begriff "Literatur der Systemmigration" angeboten.

Doch diese Beispiele sind nicht repräsentativ, wie man an den Romanen und Erzählungen von Wladimir Kaminer, Zsusza Bank, Terezia Mora, Radek Knapp oder Dimitre Dinev leicht ersehen kann.

Das von Wladimir Kaminer in seinem Debüt Russendisko aus dem Jahre 2000 konstruierte Berlin zeichnet sich durch eine unbegrenzte Neugier auf die Fremdheit des eigenen Alltags aus, eine Stadt, in der Alle und Alles neben- und durcheinander leben, es gibt keinen dominant drive (schon gar keinen deutschen!), der Verhalten und Denken bestimmen könnte, die handelnden Personen sind auf ihren eigenen Einfallsreichtum8 angewiesen.

Heimat und Fremde gibt es nicht

In Zsuzsa Banks Roman Der Schwimmer (2002) hängt die Reise der drei Protagonisten - Vater, Tochter, Sohn - quer durch Ungarn zwar zusammen mit der Flucht der Mutter in den Westen, doch im Mittelpunkt steht die Suche nach einer eigenen Sprache, die der erlebten und erlittenen Situation angemessen sein könnte, nach einer Identität der beiden Kinder auf einer orientierungslosen Reise. Räumliche Bindungen spielen keine Rolle, ein Konzept von Heimatlichkeit steht völlig zur Disposition - nur die Suche nach Identität treibt die Figuren an.

Der Roman Alle Tage von Terezia Mora aus dem Jahre 2004 geht noch einen Schritt weiter. Der Protagonist,9 Abel Nema, wird bereits in der ersten Sequenz vorgestellt, wie er kopfüber an einem Baum hängt und sich die Welt mit einem verkehrten Blick betrachtet - dies könnte noch als traditionelle Metapher innerhalb einer Kultur vermittelnden, Differenzen suchenden Literatur verortet werden.

Doch diese Flair scheitert nicht daran, dass sie nicht in ihr Heimatland zurückkehren kann, wie bald klar wird, sondern daran, dass sie sich anderen nicht mitteilen kann, obwohl sie zehn Sprachen beherrscht.

Abel Nema ist die Projektionsfläche für die Wünsche und das Begehren10 aller anderen Figuren in der dargestellten Welt, er selbst hat allerdings genau so wenig Kontur und Bedeutung, wie auch die aufgebotenen Räume durchgängig semantisch leer sind; Kategorien von Heimat oder Fremde existieren nicht mehr - höchstens noch die Unmöglichkeit, in einem Land, einem Raum, einem System, einer Gesellschaft anzukommen. Damit steht auch die Option11 der Integration in eine andere Gesellschaft oder eine Abgrenzung von ihr nicht mehr zur Verfügung.

Neugier auf literarische Schreibweisen

In herausragender Weise spiegelt diese Entwicklung auch die jährliche Verleihung des Adelbert-von-Chamisso-Preises wider. Diese seit 1985 von der Robert-Bosch-Stiftung ausgelobte Auszeichnung für "bedeutende Beiträge zur deutschen Literatur von Autoren nichtdeutscher Muttersprache" ist ein zuverlässiger Indikator für die literarischen Entwicklungen, dessen, waj nicht mehr "Migrantenliteratur" genannt werden sollte - von Aras Ören und Rafik Schami im Jahre 1985 bis zu den Preisträgern des Jahres 2005, Feridun Zaimoglu und Dimitre Dinev.

Mit der Veränderung des Preisträgerprofils geht auch eine >Hinwendung zu anderen Inhalten einher. Es geht nicht mehr um die Darstellung des Eigenen im Fremden, sondern um die Neugier auf neue literarische Schreibweisen, wie die Beispiele von Aglaja Veteranyi, Marica Bodrozic oder Zsuzsa Bank belegen, oder um einen umgekehrten ethnographischen Blick auf den deutschen Alltag, für den als prominenter Beleg die Auszeichnung von Asfa-Wossen Asserate (Manieren. Frankfurt/Main: Die andere Bibliothek 2003) gelten kann.

Der Chamisso-Preis zeigt der interessieren Leserschaft eine neue und spannende Literatur, die sich nicht mehr als Wortmeldungen des Gastes versteht, sondern sich in der deutschen Dichtung heimisch zu fühlen beginnt.

Andreas Schumann, Professor für Neuere deutsche Literatur an der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Erläuterungen zum Text

"Neue Tendenzen in der "Migrantenliteratur"
1) tristes Dasein fristen - вести жалкое существование
2) Widergänger (m) - противник
3) clash of cultures (англ.) - расхождение культур
4) die trotzige Gebärde der Selbstbehauptung - своенравные ужимки самоутверждения
5) die selbstinszenierte Eigen- und Randständigkeit - выдуманная самобытность и отчужденность
6) gemeinsame Intention - общее намерение, направление
7) betrauern - оплакивать, скорбеть
8) Einfallsreichtum (m) - богатство фантазии
9) Protagonist (m) - главный герой
10) Begehren (n) - страстное желание, вожделение
11) Option (f) - выбор, вариант

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II.

Neuer Literaturpreis ins Leben gerufen

Der Carl-Amery-Literaturpreis wird ab 2007 alle zwei Jahre vergeben

Carl Amery-Literaturpreis wird zukünftig alle zwei Jahre vom Verband deutscher Schriftsteller in Bayern mit Unterstützung des Luchterhand Literaturvelages und verdi Bayern vergeben.

Mit dem Carl-Amery-Literaturpreis werden deutschsprachige Autorinnen und Autoren für ihr Werk ausgezeichnet, in dem eine zeitkritische Literatur neue ästhetische Wege zu gehen und damit das Spektrum literarischer Möglichkeiten zu erweitern sucht.

Der Preis soll an den Münchner Schriftsteller Carl Amery (1922-2005) und sein Lebenswerk erinnern. Amerys kritische Auseinandersetzung mit restaurativen Tendenzen in Gesellschaft und Kirche und sein publizistischer Einsatz für eine friedliche und ökologisch vernünftig gestaltete Welt haben Maßstäbe gesetzt. Seine Streitbarkeit und sein unbestechlicher Blick für gesellschaftliche Mißstände verbanden sich in seinen Romanen, Hörspielen und Essays mit einem ausgeprägten Bewußtsein für Formenvielfalt und ausgefeilte Rhetorik. Carl Amery war ein glänzender Stilist, der auch als Romancier gesellschaftliche Analysen in furiose literarische Tableaus v erwandelte.

Der erste Träger des Carl-Amery-Literaturpreises ist der Autor Feridun Zaimoglu. Die Jury (Dr. Martin Hielscher, Dr, Thomas Kraft, Martin Mittellmeier und Norbert Niemann) begründet ihre Wahl wie folgt:

Feridun Zaimoglu wird mit dem Cafl-Amery-Literaturpreis ausgezeichnet, weil er das Abhorchen von gesellschaftlichen, sozialen Realitäten dazu nutzt, die deutsche Sprache herauszufordern, zu überdehnen, anzureichern. Von Shakespeares Jago bis zu dem türkischen Mädchen Leyla verwandelt er Wut in Rhythmus, Gewalt in poetischen Rap und die Träume und Anmaßungen von Selbstbehauptung und Identität in weit schwingende epische Bögen."

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III.

CHAMISSO-PREISTRÄGER FERIDUN ZAIMOGLU

IM GESPRÄCH MIT ARMIN KRATZERT

Der Mann stammt aus Anatolien, trägt schicke Ketten, kennt sich mit HipHop aus, wohnt in Kiel und hat mit seinen Geschichten die deutsche Literatur der 1990-er Jahre so richtig aufgemischt: Dafür hagelt es jetzt endlich Preise. Den Adelbert-von-Chamisso-Preis bekam Feridun Zaimoglu am 17. Februar in München, das renommierte Villa-Massimo-Stipendium trat er gleich im Anschluss an, in Rom, der ewigen Stadt.

"Kanak Sprak" hieß sein erstes Buch, "Abschaum" und "German Amok" waren die nächsten betitelt. In diesen Texten entfaltet sich in ihrer ganzen anarchischen, manchmal kriminellen Wildheit eine von jungen Türken, durchgehauen Künstlern, Arbeitslosen und anderen Verlierern bevölkerte Halbwelt, in der schnelle Autos, Sex, Gewalt und Drogen eine nicht unerhebliche Rolle spielen und ein Idiom gepflegt wird, das Zaimoglu eben ,Kanak Sprak' nennt und das klingt wie das richtige Leben.

"Wir sind wüchsige aus gaarden, hier, wo man das olle gras halm für halm wachsen hört, wo nix außer gebell steckt, hier in jeder toten gasse, hierhin hat man uns wie'n faden popel geschnickt, und ruhe fanden wir nicht von anfangen an, weil du kriegst futter und jeden tag futter für's ausbrechen, und doch wo's äuge reicht ne einzige lausige episode von leuten, die fett man in der schlinge sind", heißt es in "Kanak Sprak".

Bayram ist derjenige, der da spricht, ein 18jähriger Breaker, wie uns Zaimoglu informiert. Und wenn man ihm und den anderen in Zaimoglus Büchern zuhört, dann merkt man ganz plötzlich, was in diesem unserem Land wirklich los ist, und das heißt natürlich nicht, dass man unbedingt die gelegentlichen Probleme der deutsch-türkischen Annäherung übersehen muss, aber vor allem doch, dass man die Chancen erkennen kann, die genau hier liegen.

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IV.

Laudatio auf Feridun Zaimoglu,

Adelbert-von-Chamisso-Preisträger 2005

(Redemanuskript. Auszug)

Volker Panzer (ZDF)

Das fängt mit dem Namen an und hört mit dem jetzt verschwundenen, lange Jahre getragenen Zierbärtchen1 nicht auf. Feridun Zaimoglu - so will er in Deutschland genannt werden und nicht voll korrekt auf Türkisch Zaimoglu - ist eine außergewöhnliche Erscheinung.

Als ich ihn das erste Mal traf, in einem Cafe am Bahnhof Zoo in Berlin, weil ich ihn ins ZDF-Nachtstudio2 einladen wollte, brauchten wir lange, um einen Termin zu finden3. So beschäftigt war der "Mediennomade",4 dass er zum Schreiben nur noch Zeit bei seinen Bahnreisen durch Deutschland fand.

Vor vier Jahren kannte ich keins seiner Bücher, heute alle. Warum?

Erstens, er schreibt gut, was noch auszuführen sein wird,

zweitens, er hat was zu sagen und,

drittens, höre ich ihm gerne zu: Wenn er davon erzählt, dass er in einer unver­letzten Fruchtblase im anatolischen Bolu zur Welt kam,5 wenn er davon erzählt, wie er hier in München als Bub die deutsche Sprache verfluchte: "die Zunge lag mir wie ein tote Marderkatze6 im Mund", aber dann lieben lernte, "ich liebte den Barbarenklang der deutschen Worte", wenn er davon erzählt, wie es ihn ausgerechnet nach Kiel an die medizinische Fakultät verschlagen7 hat und wie er die Stadt doch literaturgeschichtsfähig8 gemacht hat.

Und wenn er erzählt von der Liebe. Von der Liebe zu den Habenichtsen9, zu den Sprachlosen, zu den Krakeelern10, zu schüchternen orientalischen Schönen und zu Deutschland, auf dessen immer wieder gefährdete Liberalität er als Deutscher stolz ist.

Warum aber ist Zaimoglu - der ja auch malt, wie Sie wissen - als Schriftsteller so außergewöhnlich erfolgreich?

Ich wage folgende These. Er selbst und natürlich sein Schreiben sind Seismo grafen für die Paradoxa der Moderne.11

Wie wir alle wissen, begann die Moderne mit der Entzauberung12 der Welt. Oder anders formuliert: Sie begann mit dem Verlust der Gewissheit:13

Nicht Herkunft, Tradition, Stand, Familie geben mehr Sicherheit, sondern seit der Erfindung des Individuums ist der Einzelne einerseits befreit und andererseits zugleich auf sich selbst zurückgeworfen. Entzweiung und Entfremdung14 heißen die philosophischen Begriffe, Okonomisierung, Globalisierung, Isolierung, Anonymisierung, Marginalisierung15 heißen die Schlagzeilenwörter dafür.

"Blindflug16 mit Zuschauer" hat der Philosoph Norbert Bolz diesen Sachverhalt genannt, und als Piloten des Blindflugs eignen sich bestens die Wanderer zwischen den Welten: die Arbeitsmigranten aus der Vormoderne, angelockt von den waghalsigen17 Versprechungen des Fortschritts: Versprechen auf auskömmliche Zukunft und Glück. Aber solche Versprechen sind in der Moderne Lotteriespiele.

Wer es nicht schafft, hat keine Ausrede mehr. Er ist selbst schuld.

"Das Beobachten aus einem gewissen Abstand ist wichtig für mich", sagt Zaimoglu. Selbst ein so genanntes „Gastarbeiterkind", hat er das Beobachten des Blindflugs zu seiner Passion gemacht und schon vor zehn Jahren die verbogenen Biografien der Zeitgenossen aufgegriffen und aufgeschrieben in einer authentischen Kunstsprache:

Der berühmten, allseits bekannten Kanak-Sprak.

In "Zwölf Gramm Glück" nun, dem zuletzt erschienen Erzählband, bietet der Sprachdealer18 und Lebensgeschichten-Übersetzer etwas Neues an: hochtoxische Liebesgeschichten im weitesten Sinne, in zugleich nie gesehenen Sichtweisen auf ein weiteres Paradox der Moderne: die Liebe als Passion. Einerseits gaukeln19 uns ja Werbung und Boulevardzeitschriften die Möglichkeit der erfüllen­den Liebe vor, aber in der Realität steigen die Scheidungsraten.

In Diesseits und Jenseits sind die zwölf "Gramm"-Geschichten geteilt. Aber Diesseits und Jenseits sind nicht nur Ortsbeschreibungen, Diesseits = Deutschland. Jenseits = Türkei, sondern es sind auch Metaphern für Gemütszustände:20 erwartungsgemäß versus überraschend, bekannt versus fremd, Paradies versus Welt als Jammertal.

Auch hier wieder das Paradox: Individualismus versus Herkunft und Tradition.

So sehr Zaimoglu, der deutsche Dichter, sich nach dem Orientalischen sehnt, so sehr, dass er Attitüden21 des Orientalischen als provokante Präsentation seiner Person zelebriert,22 so unweigerlich23 verloren ist die Möglichkeit, diese Sehnsucht je zu befriedigen. Auch nicht in der Literatur.

Ein Beispiel: Im Ich-Erzähler,24 in der ersten Jenseitsgeschichte "Häute", für die Zaimoglu letztes Jahr den Preis der Jury beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt zugesprochen bekam, keimt angesichts der Schönheit und Verständigkeit der ihm zur Heirat angebotenen Minderjährigen eine nur durch Körpersprache ausgedrückte Hoffnung auf:

"Unmerklich habe ich meinen Körper gespannt und den Bauch eingezogen... Ich ertappe mich dabei, wie ich diesem blutjungen Mädchen den Hof mache."

Aber Happy Ends sind nicht zu haben. Da platzt unvermittelt - fast wie im Mythos - der brutale Steinbrecher25 aus dem Dorf herein, seine angeblich früheren Rechte an der 15Jährigen mit Gewalt geltend zu machen, und der "Deutschländer" kann noch froh sein, das Dorf des Jenseits ohne Blessuren26 verlassen zu können.

Dieses exakte "Changieren"27 zwischen den Welten der Tradition und der Moderne kann Feridun Zaimoglu als Einziger:

"Ich bin zwei Öltanks"28, hat er einmal - sprach-provokations-verliebt - gesagt und dabei an sein Migrantenschicksal gedacht. Aber wahrscheinlich ohne es zu wissen, hat er den Nagel - auch was sein Schreiben angeht - damit auf den Kopf getroffen29.

So wie der paradoxe Werbeslogan30 darauf hinweisen will, dass eine zweite Sicherheitswand vor Korrosion schützt, hat Feridun Zaimoglu seine Literatur vor dem Korrodieren31 im deutschen Kulturbetrieb dadurch geschützt, dass er einen doppelten sprachlichen Schutzwall hochgezogen hat, der seine Texte vor Masche32 und Beliebigkeit auf Distanz hält.

Wie ist dieser Sprachschutz entstanden? Er lässt sich in drei Schritten oder, um im Bild zu bleiben, in drei Bauabschnitten beschreiben.

Erste Grundlage war ein Kunstwort und die Folgen: Kanak-Sprak, welche nicht nur den bis dahin für uns Feuilletonleser stummen - soll ich sagen - Mitbürgern Stimme und Gesicht gab, sondern deren Erfinder Zaimoglu katapultartig in die Medienwelt schleuderte33. Plötzlich war der Mediziner mit erstem Staatsexamen, der Maler ohne Galerist, der Kanakster mit Abitur, eine öffentliche Figur, deren Arbeitsraum das Zugabteil wurde, so eilig hatten es die Kulturbetriebsstellenleiter34 der Republik.

Alles hat Feridun mitgenommen: die Lesungen, die Talkshows, die Interviews. Zu allem hatte er eine Meinung. Mal war die Türkei für ihn ein für allemal erledigt, mal nicht: dafür aber Deutschland. Fies35 formuliert:

Bekannt wie ein bunter Hund aus Funk und Fernsehen.

Aber die Sprache ließ ihn nicht ruhen, sein mühselig erlerntes Deutsch: Das Loblied auf die Geduld seiner Grundschullehrerin Frau Höve in München-Moosach lesen wir in jedem Interview aus dieser Zeit.

Diese Gier nach seiner neuen Sprache: Deutsch schützte ihn davor, sein eigener Plagiator zu werden. So entstanden, in einem zweiten Bauabschnitt, fiktionale36 Texte, Erzählungen, Romane auf „Deutsch" mit Kanak-Sprak als Erken nungs-, Handlungs- und Erregungsecho.

Seit "Zwölf Gramm Glück" ist die Sprachschutzwand nun fertig, und aus dem Sprachkneter,37 "Alles knete ich zu meiner Kunstsprache zusammen", ist der Sprachvirtuose Feridun Zaimoglu geworden:

Er verließ die K-Sprache - bis hin zu „Liebesmale scharlachrot" und wie gesagt: "Zwölf Gramm Glück" führten ja alle seine Bücher den aggressiven Konsonanten im Titel: "Kanak Sprak", "Koppstoff", "Kanak Kultur Kompendium", "German Amok" ("Abschaum" und "Leinwand" sind die Ausnahmen, die die Regel bestätigen.):

Wie die Titel der Bücher, so änderte sich auch die Perspektive. Plötzlich sprach da ein genauer, sensibler, verletzlicher, sehnsüchtig suchender, kurz romantischer Erzähler oft in der Ich-Form von sich selbst. Und zwar in einem Deutsch, wie es bisher so noch nicht gelesen wurde: Hochdeutsch im Wortsinn, mit der Lust auf überraschende Bilder.

Erläuterungen zum Text
Zierbärtchen (n) - красивая бородка, бородка для украшения
ZDF-Nachtstudio (n) - ночная передача ZDF (Zweites Deutsches Fernsehen - Второе Германское телевидение (канал телевидения ФРГ)
einen Termin finden - договориться о времени встречи
"Mediennomade" (m) - от: Medien - средства массовой информации; Nomade - кочевник (намек на то, что он постоянно кочует с одной радио- или телестанции на другую)
zur Welt kommen - появиться на свет, родиться
Marderkatze (f) - куница
… an die medizinische Fakultät verschlagen hat - забросило на медицинский факультет
... die Stadt literaturgeschichtsfähig gemacht hat - позволил городу войти в историю литературы
Habenichts (m) - нищий, бедняк
Krakeeler (m) - крикун, спорщик, скандалист, буян
die Paradoxa der Moderne - парадоксы современности
Entzauberung (f) - разочарование, отрезвление
Gewissheit (f) - уверенность, достоверность
Entzweiung und Entfremdung - разрыв (размолвка, раскол) и отчуждённость (разобщённость, отдаление)
Marginalisierung (f) - маргинализация (от "маргинал" - деклассированный элемент)
Blindflug (m) - слепой полет
waghalsig - отчаянный, смелый, удалой, отважный
Sprachdealer - от Sprache - язык и Dealer (англ.) - дилер (писатель, широко рекламирующий свой стиль)
vorgaukeln - втирать очки, лживо уверять
Gemütszustаnd (m) - душевное состояние, расположение духа, настроение
Attitüde (f) - манера, осанка; поза; жест, поведение, отношение
zelebrieren - праздновать, торжественно справлять, зд.: относиться с пиететом, дорожить
unweigerlich - неизбежно, обязательно
Ich-Erzähler (m) - рассказчик (когда повествование ведется от первого лица)
Steinbrecher (m) - рабочий каменоломни
Blessur (f) - рана, ранение
Changieren (n) - от changieren - отливать разными цветами, переливаться
Öltank (m) - бензобак
den Nagel auf den Kopf treffen - попасть в (самую) точку; попасть не в бровь, а в глаз
Werbeslogan (m) - рекламный лозунг
Korrodieren (n) - коррозия
Masche (f) - 1) петля (вязанья, трикотажа); ячея (сети); 2) искусный приём, трюк, уловка
in die Medienwelt schleudern - ворваться в мир масс-медиа
Kulturbetriebsstellenleiter (m) - руководитель отдела культуры
fies - отвратительный; пошлый
fiktionale - вымышленный
Sprachkneter (m) - от Sprache - язык и kneten - смешивать, мять
Villa Massima-Stipendium - стипендия немецкого академического культурного центра в Италии

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